Teil eines Werkes 
11.-13. Bändchen (1849)
Entstehung
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Und Graf Hermann war es.

Er kam jetzt nicht angezogen mit dem ehemaligen Troß einer Compagnie von Wachthunden und einer Ladung von Sachen, auch bediente er ſich nicht eines kleinen verſchloſſenen Hauſes anſtatt eines Wagens, ſondern er fuhr in einer offenen Kaleſche, und ſchon der erſte Anblick ſeiner ſo vortheilhaft veränderten Per⸗ ſon zeigte an, daß er nach der großen geiſtigen Revo⸗ lution, die er überlebt hatte, einen großen Theil ſeiner wunderlichen Grillen, und mit denſelben auch alle dieſe kleinen Kindereien verloren haben müßte, welche ſich bei einem kranken Gemüth ſo gern einfinden wollen.

Gewiß iſt, daß der Graf in der That ein anderer Menſch geworden war, denn ſeitdem nun ſowohl ſein Kör⸗ per als auch ſeine Seele völlig geneſen waren, hatte er nicht länger jene fürchterlichen Beſuche, welche ihn ehemals auf die Folter legten: ſeit der tragiſchen Nacht auf Dagby hatte er ſein doppeltes Ich niemals wieder geſehen.

Es ar ein ebenſo feierlicher als rührender Augen⸗ blick, da Graf Hermann zum zweiten Male in die Familie eintrat, in deren Kreiſe er die qualvollſten Ereigniſſe ſeines Lebens erlebt hatte. Doch jetzt war der Schmerz vorüber, die Erinnerung erblichen: nur die Freundſchaft gegen Diejenigen, welche ihn geliebt und ihm doch zu gleicher Zeit ſo wehe gethan hatten, war in ſeinem Herzen zurückgeblieben. Und jetzt, da er gleichſam in ein neues Weſen eingetreten, war er ge⸗ kommen, um ihnen dieſes zu ſagen.

Doch hatte er auch noch eine andere Abſicht gehabt.

Durch den letzten Brief des Onkels in Paris unter⸗ richtet von der langen Bußübung, welcher Edith ſich hatte unterziehen müſſen der Allte hatte dieß nicht länger verſchweigen können, da der Graf zurückkommen wollte hatte er ſeine Rückreiſe beſchleunigt, um bei der Hofräthin mit Berufung auf ehemalige innige Ver⸗ hältniſſe nach beſten Krhften eine Verſöhnung zu Stande zu bringen.

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