— à— ◻
—6 u
221
geſehen hatte. Ach, um ſie alle flochten ſich reiche und theure Erinnerungen! Auch wurden die vier jungen Frauen gleich einig, ſo lebhaften Umgang mit einander zu pflegen, daß dieſe Erinnerungen keine Gelegenheit hätten, jemals zu erblaſſen.
„Darf ich jetzt mit der ſchönen Jenny walzen?“ flüſterte Ernſt mit einem ſchelmiſchen Blicke ſeiner Gattin in das Ohr.
„Was iſt zu thun?“ antwortete Edith lachend;„mit drei alten Nebenbuhlerinnen um mich her bin ich wohl gezwungen, die Eiferſucht abzuſchworen, wenn nämlich die Freundſchaftsallianz, die ich eben mit ihnen ge⸗ ſchloſſen habe, fortdauern ſoll.“
—— 4
„Gott ſei gedankt für die Ruhe!“ ſagte der Onkel, als die großen Feſttage vorüber waren, und die ganze Familie an einem Abende häuslich und angenehm auf dem alten theuren Platze vor den Thüren des Altans im Saale ſaß...„doch was ſehe ich?“ fügte er in einem ungleich weniger frohen Tone hinzu—„kommt dort nicht ſchon wieder ein Wagen in der Allee?“
„Ja, wahrhaftig!“ antwortete Olga, und ſank nach der großen Anſtrengung, das Haupt erhoben zu haben, von Neuem in den Lehnſtuhl zurück.
„Sie kommen, um für die Einladung zu danken!“ meinte Edith.
„Schon ſo bald!“ fiel die Hofräthin ein.
„Nein, das iſt Keiner von unſern Nachbarn,“ ſagte Helmer, welcher, an die Lehne des Stuhles ſeiner Frau gelehnt, den Blick hinaus richtete:„es iſt ein beſtäubter Reiſewagen.. und täuſche ich mich nicht, ſo ſitzt dort ein lieber Bekannter auf dem Kutſchbock.“
„Nilman!“ riefen Alle auf einmal. 3
Und dieſem Ausrufe folgte gleich ein zweiter:
„Ach, mein Gott, es iſt Graf Hermann!“


