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„Was könnte ich wohl anders thun?“
„Nun, mein Gott, gibt es denn nicht für Dich eben jenen Ausweg, den er mir einmal vorſchlagen ließ?“
„Eine Scheidung?“
„Ja wohl!“
„Wie ſollte ich wohl alle dieſe Umſtände aushalten! Ich bekomme ſchon Schwindel, wenn ich nur an alle Kniefälle, zärtliche Phraſen und romantiſche Beſchul⸗ digungen denke, mit denen er mich überfluͤgeln würde! Nein, liebe Edith, da iſt es wirklich beſſer ſo, wie es iſt. Er iſt artig gegen mich und mag meinethalben leben, wie er will!“
„Ach ſo,“ ſagte Edith erröthend,„Du ſelbſt gibſt ihm eine ſolche Freiheit?“
„Ja wohl, was kümmern mich ſeine beſonderen Vergnügungen? Da ich für ſein Glück nichts thun kann, und auch er nichts für das meinige, ſo verlohnt es ſich auch nicht der Mühe, Prätentionen zu machen.“
„Liebe Olga!“ ſagte Edith mit unbeſchreiblicher Rührung,„es iſt ſündhaft, die Heiligkeit der Ehe ſo zu behandeln! Und da Du Dich nicht von ihm trennen willſt, ſo ſchlage ich Dir ein Ziel vor, das würdig wäre, Dich aus Deiner Erſchlaffung zu reißen.“
„Laß hören!“
„Du glaubſt gar nicht, wie viel der Eine von zwei Ehegatten den andern verbeſſern kann. Denke Dir, wenn ein großer Theil von Abbé's Fehlern eine Folge Deiner Kaͤlte und Gleichgültigkeit wäre!. Wenn Du jetzt noch ſein Herz gewinnen und bei ihm Eigen⸗ ſchaften erwecken könnteſt, welche ihn Deiner Achtung würdig machten, ſo könnteſt auch Du es allmälig ler⸗ nen, ihn zu lieben.“
„Dein Vorſchlag iſt ſehr ſchön, aber...“
„Er iſt nicht bloß ſchön, ſondern auch eine Pflicht; denn eine Pflicht iſt es immer, nach Kräften ſeine Lage zu verbeſſern. Das Leben iſt lang: ſo ſuche denn einige Roſen zu pflanzen, welche Dir den Weg erheitern können!“
„Ich will mir die Sache wenigſtens überlegen!...
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