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Da ging plöͤtzlich eine mächtige Bewegung durch
das ganze Weſen des jungen Weibes.
Es war, als hätte ein blendender Schein ihr Antlitz erleuchtet und verklärt, und wer in dieſem Augenblicke
die unausſprechliche Veränderung geſehen hätte, die mit
ihr vorging, wer bemerkt hätte, wie ſie mit verhaltenem ¼ Athem, jede Fiber in leiſem Beben, auf eine neue Offen⸗ barung zu warten ſchien, der hätte eine faſt göttliche Erſcheinung zu ſehen gemeint.
Die von einer innern Kraft gehemmte Thräne hing noch in der langen ſeideweichen Franſe ihres Augenlides, und die Augen, von denen jeder Ausdruck eines irdiſchen Leidens geflohen war, um einer heiligen Begeiſterung, einem lieblichen Beben Platz zu machen, waren unver⸗ wandt auf die bleichen Sterne gerichtet. Ihre Hände, die ſte noch vor einem Augenblicke in weiflung rang, ruhten ſtill gefaltet über der Bruſt.
So verblieb ſie eine volle Viertelſtunde.
Jetzt fuhr ſie wieder heftig zuſammen die Hände R wurden von Neuem gefaltet, aber nicht mehr in Ver⸗ zweiflung, ſondern zu einem ſo lebendigen, ſo unend⸗ lichen, ſo inbrünſtigen Gebete, daß keine Worte einer menſchlichen Sprache dieſelben wiederzugeben vermocht hätten; aber ihre von einer immer höheren Begeiſterung flammenden Augen drückten aus, was in ihr vorging, und die hohe, verſchämte, heilige Röthe auf ihren Wangen redete ebenfalls, von Allem am meiſten aber redete der Ausdruck in ihrem Antlitze, dieſer Ausdruck von Stolz, von Glüͤckſeligkeit, Demuth und Gewißheit..
Mit einem neuen elaſtiſchen Leben, als wäre gleich⸗ 4 ſam alle Müdigkeit und Angſt, aller Schmerz und Kampf 8 in einem einzigen Augenblick begraben worden, erhob ſie ſich von ihrer knieenden Lage, und ohne ſich eine halbe Sekunde zu beſinnen, nahm ſie das Licht vom Tiſche, eilte ſchnell über den Saal zu der andern Seite, wo. Ernſt's Zimmer belegen war.
Sie öffnete die Thür ſo leiſe, daß er, der noch in
die Tiefe ſeiner düſtern Gedanken verſunken, vor der 4.


