27 löfung von aller Angſt und von der Finſterniß, die ihn noch umgibt.
„Ich verlange nicht mehr des uͤberſchwenglichen Glückes zu genießen, welches ich von mir geſtoßen habe,“ ſagte ſie;„ich bin ſeiner ſo ganz unwürdig, daß ich nicht ohne Erröthen daran denken kann. Ich verlange nur die Befreiung von der qualvollen Gewißheit, daß ein Tag kommen kann, kommen wird, da ich nicht länger das Recht habe, Ernſt meinen Gatten zu nennen — denn an dieſem Tage müßte ich entweder meinen Verſtand verlieren, oder auch mein Leben! O mein Gott! wie ſoll ich ihn überreden, daß er mich nicht von ſich verſtößt?... 3ch will zufrieden ſein mit ſo Wenigem, ſo Wenigem, mit der allereßtfernteſten Hoff⸗ nung! Aber mongen Abend ſind wir da, er verläßt mich, reiſ't zurück— Khrt niem ls zurück. Und in jenem Augenblicke, 38 ich ihn zum letzten, zum allerletzten Male ſehe, wie werde ich es da fühlon in meinem Her⸗ zen?... Ach, dieſes Uebermaß des Leidens verwirrt wieder meine Sinne!“ 3
Ihre Thränen ſtrömten, ihr Körper zitterte vor Schmerz⸗
„Vater im Himmel, ſieh' meine Angſt an!.. Erbarmen! Erbarmen!. O, gib mir in dieſer qual⸗ vollſten Stunde meines Lebens einen Gedanken, der mich auf den rechten Pfad führt, gib mir ein Zeichen der Erhörung, damit meine Seele nicht untaggeht in Ber⸗ Wweiflumg. 1
Drittes Ge Das Zeichen. Lange hatte Gdith in tiefe, brünſtige Gebete ver⸗
ſenkt gelegen, aber kein barmherziger Engel hatte ſie mit ſeinem weißen Fittich berührt. Hoffnungslos ſtueri 8
ihr Blick empor zu dem ſternklaren Himmel.
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