Teil eines Werkes 
11.-13. Bändchen (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Liebe kann Vieles ertragen, Vieles leiden, Vieles vergeben; doch eine Liebe, der nur die Vergangenheit gehört, die keine Gegenwart und keine Zukunft beſitzt, die... doch genug!... Das Einzige, welches ich nach dem achtundzwanzigſten September(dem ſtürmiſchen To⸗ destage meiner Liebe und meines Glückes) Derjenigen anbieten kann, welche die Außenſeite des Lebens höher ſchätzte, als die tiefe, innere Bedeutung deſſelben, iſt die Freiheit!

Sobald er dieſes geſagt hatte, ſtand er auf, gab Edith einen Wink, daß Jemand auf der Treppe zu hö⸗ ren wäre, und entfernte ſich eilfertig.

Edith war ganz außer Stande, ſich nur zu bewegen.

Gleichſam durch einen Nebel ſah ſie, wie eine Fi⸗ gur eintrat, wie dieſe einen Tiſch hinſchleppte und ein Abendeſſen vorſetzte.

Zwei Stunden waren verfloſſen.

Zum Schein hatten die beiden Gatten wenn ſie ſo noch heißen konnten bei der Abendmahlzeit bei einander geſeſſen. Jetzt war dieſe längſt verzehrt und Edith in ihrem Zimmer.

Während dieſer drei Tage hatte ſie faſt ausſchließlich von Thränen und Qualen gelebt.Und womit, ſagte ſie zu ſich ſelbſt, indem ſie unausgekleidet auf das Bett ſank und ſich darüber wunderte, wie lange ſie es wohl nooch ſo aushalten würde,womit ſoll ich Verlaſſene, von Allen Verworfene, mich wohl künftig nähren, wenn nicht von Qualen und Thränen?

Der letzte Funke von Stolz war verſchwunden.

In dieſem ganzen Chaos eines zerſplitterten Lebens⸗ glückes blieb ihr nur ein einziges überwiegendes Gefühl ubrig das ewige, welches nicht ſterben konnte: die Liebe zu Ernſt. 8u meiner Mutter, überlegte ſie,will ich nicht Aliehen: da wäre alle Hoffnung auf eine Verſöhnung verloren.. Habe ich wohl noch eine Hoffnung, ich?