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Hauſe führen ſollte, welches das ſchöne und heilige Glück ihrer Liebe hatte blühen, kränkeln und ſterben geſehen.
„Zum Onkel Janne!... er iſt wahrſcheinlich jetzt zu Hauſe!“ waren Ernſt's einzige Worte, als er die Wagenthür zumachte. Darauf ſetzte er ſich ſelbſt auf den Kutſchbock— und dieſe Reiſe, von der Edith noch in der letzten Secunde eine dunkle Hoffnung gehegt hatte, dns. nichts aus ihr werden würde, nahm dennoch ihren
nfang.
Beinahe ohnmächtig ſank ſie zurück in die Kiſſen
des Wagens.
Drei Tage lang war die Reiſe vorwärts gegangen, ohne daß Ernſt ein einziges Wort mit ſeiner Gattin ge⸗ redet hatte, ausgenommen was nothwendig war, um ihr anzuzeigen, wann ſie raſten und reiſen ſollte. Edith befand ſich immerwährend gleichſam in einer Betäubung. Sie hatte noch nicht den geringſten Verſuch gemacht, ihren Gatten zu verſöhnen.
So oft ſie ſein Antlitz erblickte, fuhr ſie auf aus ihrer Apathie; aber die kalte Härte dieſes Geſichtes er⸗ ſchreckte ſie, und ſie war zufrieden, wenn ſie in ihre Erſtarrung zurückſinken konnte. Da lebte ſie ja nur ein halbes Leben, und ſchon dieſes war zu viel.
Aber das Gefühl und das Leben begannen zurück⸗ zukehren, und mit ihnen die ſchreckliche Gegenwart, die fürchterliche Zukunft. Sie war krank an Leib und Seele, und am Abende des dritten Tages kam eine ſo große Müdigkeit, ein ſo ernſtliches Uebelbefinden über ſte, daß
ſte ſich kaum noch aufrecht erhalten konnte.
Jetzt aber erwachte doch ein Schatten von Kraft.
Sollte ſie nicht lieber das Unmögliche ertragen, als Ernſt's Barmherzigkeit anzuflehen? Der bloße Gedanke, ihn anzureden, machte, daß ihr Blut beinahe erſtarrte. Was ſollte ſie ihm ſagen? Sie vermochte ja kein Wort über ihre Lippen zu bringen, denn dieſer Blick... die⸗ ſer Blick.. und dieſes düſtre, eigenſinnige Schweigen!..


