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— Endlich mußte wohl dieſes Schweigen gebrochen werden. Wer von ihnen ſollte das thun? Ach, geſchah das nicht immer noch zu früh?
Es gibt Schmerzen, welche die doppelte fürchterliche Eigenſchaft haben, daß wir uns davon befreit wünſchen, und ſie dennoch auch zu behalten ſuchen.
Ein ſolcher Schmerz war derjenige, welcher ſich in Edith's Seele bewegte, und dennoch ſiegte das Leiden des Körpers.
„Ernſt, Ernſt!“ rief ſie,„aus Barmherzigkeit ſchleppe mich nicht weiter!... ich vermag nicht mehr... halte an, wo es auch ſein mag!“
„Gleich!“ war die Antwort.
Kurz darauf hielt der Wagen ſtill; die Thür deſſel⸗ ben wurde geöffnet.
4„Wo ſind wir?“ ſtotterte Edith, indem ſie einen ſcheuen Blick um ſich warf.
„Bei einem Stationswirthshauſe, bei welchem der Weg nach Grandalen abgeht.“
Edith war wirklich ſo ſchwach, daß Ernſt ſie die Treppe hinaufführen mußte.
Sie kamen in einen großen, dunklen und leeren Saal, in welchem ein einſames Talglicht mit flackernder Flamme das Einzige war, was ſie bewillkommte.
„Gott im Himmel!“ rief ſie noch einmal mit zit⸗ ternder Stimme aus,„wo ſind wir?“ „In dem Zimmer, wo wir heute vor einem Jahre
unſern Hochzeitabend feierten.“
(Ende des dritten Bändchens.) 3.*.


