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lichkeit meine Mutter auf die Gedanken gebracht haben, welche jetzt Früchte tragen. Dieſe Beiden hatten aber ihre Intereſſen, welche ich begreife: Rache und Eifer⸗ ſucht; doch Sie— ich geſtehe, früher habe ich mich in einem gewiſſen Grade von Ihnen beherrſcht gefühlt...
jetzt aber, das ſage ich Ihnen offen, jetzt verachte ich
Sie, denn Sie haben einzig und allein für den Genuß gearbeitet, Unglück anzurichten.“
„Glauben Sie das?“ erwiederte Mörnburg, und hätte er plötzlich eine Maske von ſeinem Geſichte hin⸗ weggeriſſen, ſo hätte die Veränderung nicht größer ſein können.
Sein ſchwarzes Haar ſchien ſich förmlich in die Höhe zu richten, ſeine jetzt nicht dunkel brennenden, ſon⸗ dern heftig flammenden Augen begannen tauſend Funken auf Edith zu ſtrahlen, ſo daß dieſe ſich inſtinktmäßig zurückzog: ſeine bleiche, bronzirte Hautfarbe wurde roth wie Kupfer von dem heißen Blute, das in ſeinen ge⸗ waltſam angeſpannten Adern floß, und indem er zu den Füßen der jungen Frau ſtürzte, fuhr er in wilder Be⸗ geiſterung fort:
„Nein, Edith, ſo ſehen Sie mich denn in meiner wahren Geſtalt! Nur darum habe ich mich den In⸗ tereſſen Anderer hingegeben, weil ſie meinen eigenen nutzten. Als ich— angeſpornt von der Neugierde, Sie zu ſehen, und aufgefordert von Linden's Bitten, Ihre häusliche Lage zu prüfen, Bitten, die er als Ihr Schwa⸗ ger und als Mittler zwiſchen Ihnen und Ihrer Mutter das Recht hatte, mit der Freundſchaft gegen Sie ſelbſt zu verſchleiern— mich zu dieſer Reiſe entſchloß, da hatte ich, ich ſchwöre es bei Gott, keine andere Abſicht, als einige Monate von der Beſchwerde des Geſchäfts⸗ lebens auszuruhen und mich mit einer von jenen leichten Galanterien zu erfriſchen, welche bisher die einzigen Opfer geweſen ſind, die ich auf den Altar der Liebe ge⸗ worfen habe, und dieſe Opfer, ich will es wagen, Ihnen dieß zu ſagen, ſind ſo unzählig geweſen, daß ich nicht


