Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1849)
Entstehung
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Edith gab eine ſtumme Antwort.

Mörnburg brach das Siegel und entfaltete den Brief.

Dieſer lautete folgendermaßen:

Verzeihen Sie, gnädige Frau, daß ich es wage, dieſe Zeilen an Sie zu richten! Aber ſie ſind dictirt von dem Gefühle, das meine ganze Seele füllt, nämlich von dem Mitleiden mit dieſer ſtolzen, ſtarken Frau voller Selbſt⸗ beherrſchung, von deren Lippen noch keine Klage ge⸗ kommen iſt, ſeitdem ſie den koſtbarſten Edelſtein ihres Herzens verlor, deren abgefallene Geſtalt, deren ge⸗ dankenvoller Blick, deren matter Gang und deren gan⸗ zes freudenleeres Leben aber tauſendmal mehr als Worte von der Höhe des Leidens zeugen, welches ihre gelieb⸗ teſte Tochter ihr auferlegt hat.

Der Ausſchlag, den ſie gegeben hat Trennung

und Verzeihung, oder Enterbung und ewige Entfernung kann er wohl ſtreng genannt werden, wenn man bedenkt, wie tief ſie in ihren heiligſten Rechten gekränkt worden iſt?

Sie ſagte mir geſtern folgende Worte:

Ich würde dieſes Opfer nicht von Edith gefordert haben, wenn ich nicht wüßte, daß es nunmehr wirklich kein ſolches iſt, nachdem ihr Chefrieden von den wider⸗ ſprechendſten Gefühlen geſtört worden iſt, welche ſie be⸗ herrſchen, und ihre Liebe in dem letzten Kampfe ſeufzt, denn ich ſehe es als entſchieden an, daß dieſes der Fall iſt, da ſie, die ihren Abgott ſo angebetet hat, ſich jetzt unter ſeinen Augen einem Manne anvertraut, der in dieſer Sache unſere Anſichten theilt.

Nichts, fuhr ſie fort,darf ſie alſo nunmehr län⸗ ger an dieſen Mann binden, der ich habe eine ge⸗ heime Ueberzeugung davon ſich nicht allzu unglücklich fühlen wird bei dem Bruche dieſer Ehe, welche, wenn ſie fortbeſteht, auch für ihn eine drückende Bürde wird, was ſeine Vernunft gewiß auch nicht unterlaſſen wird einzuſehen und mit ſeinem ſchönen Stolze wird er nicht eine Minute anſtehen, in eine Trennung zu wil⸗ gen, nachdem Edith in das Haus ihrer Mutter geſlohen

iſt. Hätte er einen ſchwankenden Charakter, ſo dürſten

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