Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1849)
Entstehung
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ſagte ſie endlich zu ihrer Mutter und Onkel Janne. Liebe Mutter, bitte Helmer, daß er hinreist!

Liebes Kind, er iſt ja ſchon einmal dort geweſen; aber wozu nützte das? Der bedauernswürdige Hermann kannte ihn ja nicht einmal!

Ja, aber er ſieht ihn doch. Er erfährt das Eine und das Andere von Nilman und dem Doctor, das ſie uns nicht geſchrieben haben. Könnte er nur unter die Obhut ſeines alten Arztes nach Paris kommen, ſo wäre das wenigſtens ein großer Troſt.

Nun wohl, Helmer mag reiſen!

Und Helmer reiste.

Er hatte keinen Abſchied von Edith nehmen dürfen; ihr Feingefühl verbot es.

Als er jedoch vierzehn Tage ſpäter zurückkehrte, ſaß ſie in der Bibliothek, und nun ſah er ſie und redete mit ihr zum erſten Male nach der inhaltſchweren Nacht.

Doch in dieſem Augenblicke hätten ſie ſich allein treffen können, ohne daß Edith's verſchämtes Gefühl verletzt worden wäre, ſo beſchäftigt waren die Gemüther Beider: das ihrige mit Demjenigen, was ſie hören, das ſeinige mit Demjenigen, was er mittheilen und n wazü beitragen ſollte, ihr einige Ruhe wieder zu

enken.

Zu Anfang der Woche, die Helmer bei dem Gra⸗ fen verlebt, hatte dieſer ſich nichts merken laſſen, woraus man die geringſte Hoffnung ziehen konnte; als aber am Abende Helmer ſeine mitgebrachte Violine hervorholte und anfing die ſchmelzenden Melodien zu ſpielen, welche den Grafen entzückt hatten, als er Saul zu ſein glaubte, da begann er mit Aufmerkſamkeit zu lauſchen. Ein Lichtſtrahl drang durch die Nacht des Wahnſinnes in ſeine Augen, und er ſagte mit ſeinem unbeſchreiblich ſanften Lächeln zu Nilman:

Hörſt Du: David iſt zurückgekommen!

Bei dieſen Worten warf ſich der treue Diener auf die Kniee zu den Füßen ſeines Herrn und weinte wie