Teil eines Werkes 
7.-10. Bändchen (1849)
Entstehung
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Als ſie aber ein anderes Mal ſagte:Beſter Onkel, ich habe in meinem Leben die Blumen ſo ſehr geliebt, daß ich wünſchte, falls ich ſterben ſollte, möchte mein Haupt auf einem Kiſſen ruhen, das mit denjenigen Blumen angefüllt iſt, welche wir während meiner langen Krank⸗ heit getrocknet und geſammelt haben da antworlete er, gleichwohl mehr bei ſich ſelbſt, als an ſie gewendet: Ja, es wäre vielleicht das Beſte, wenn Du auf Deinen Roſen ruhen könnteſt, denn ich glaube, Du wirſt nie mehr darauf tanzen!

Die Hofräthin, welche im Anfange der Krankheit niemals von der Seite ihrer Tochter gewichen war, beſchränkte ſich, ſeitdem die Gefahr aufgehört hatte, ihre Nerven in Spannung zu ſetzen, auf gewiſſe tägliche, regelmäßige Beſuche. Sie hatte im Aeußern ſchon ihre Ruhe und ihre Gewohnheiten wieder angenommen, denn ſie konnte ja unmöglich ihre Olga in ihrer Con⸗ firmationszeit gänzlich verſäumen, um ſich ausſchließlich mit Edith zu beſchäftigen, deren Pflege überdieß in keine beſſeren Hände kommen konnte, als in die des Onkels. Die Hauptſache war jedoch, daß bei Edith das Kranken⸗ zimmer und alles Andere auf eine äußerſt unangenehme und anhaltende Weiſe Scenen in ihr Gedächtniß zurückrief, welche die Hofräthin für ihre Pflicht erachtete, zu ver⸗ geſſen,ſo wie es, ſagte ſie,die Pflicht eines jeden Menſchen iſt, ſeine Kraft und ſeinen thätigen Muth nicht dadurch zu ſchwächen, daß er in der Einbildung Dinge noch einmal erlebt, welche, nachdem ſie einmal paſſirt ſind, auch begraben ſein müſſen.

Dennoch mag kein Menſch ſie für ſo abenteuerlich gefühllos halten, weil ihr dieſes gelang.

Nein, mit jedem hoffnungsloſen Rapport, der von dem Arzte des Hoſpitales und mit Nilman eintraf mit denen Helmer in ihrem Namen correſpondirte gerieth ſie immer in eine Erſchütterung, welche ſie auf mehrere Stunden, ja bisweilen ſogar Tage, für Alle unzugänglich machte. Dann verblieb ſie in ihren inner⸗ ſten Zimmern, und nur Onkel Janne er, der ſie