„Still! kennſt Du nicht den Geiſt Deines Bräu⸗ tigams?... Doch, hu, hu, hu— mich friert!... Laß mich ein in die warme Kammer!“
„O, um Gottes Barmherzigkeit willen, geh zurück! ... Niemand hört mich... ich kann nicht rufen... und habe keinen Ausgang!“
„Nein, keinen andern Ausgang, als in meine Arme; doch beunruhige Dich nicht um ſeinetwillen, des andern Narren, der ſich einbildete, Du wäreſt ſeine Braut! Ich will ihn nun nicht länger plagen. Ich habe etwas bei mir, das ſein elendes Leben endigen ſoll, und im Tode hört der Wetteifer auf: dort gehörſt Du mir lein.. Zaudere nur nicht länger— die Zeit ent⸗
ieht!“
Jetzt glaubte Edith dasjenige zu unterſcheiden, was der in ſeiner Einbildung todte Mann unter dem Laken verborgen hielt, und ſie täuſchte ſich nicht: es war die Mündung einer Piſtole, die in dem nächtlichen Lichte ſchimmerte.
Edith ſchleppte ſich an das Fenſter, ſchlug die Scheibe entzwei und rief mit Anſtrengung aller ihrer Kräfte um Hülfe.
Helmer konnte ſie vielleicht hören, kein Anderer— ſofern nicht Gott Jemand über den Hof ſchickte.
Und Helmer, der noch in ſeinen Grübeleien wachte, hörte gleich den Klang der zerbrochenen Scheibe, den Laut der hülferufenden Stimme, Edith's Stimme, die zu dem Ohre ſeiner Seele den Weg gefunden hätte, wenn er auch geſchlafen hätte oder noch weiter entfernt geweſen wäre.
Schnell, wie der Blitz daherfährt, war er in den Kleidern, die Treppe hinab und über den Hof unter Edith's Fenſter.
Sie hatte ihn geſehen.
„Schnell,“ ſtotterte ſie athemlos,„doch vorſichtig! 5 hat Waffen, er iſt in der Bibliothek!.. er dringt erein!“


