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Helmer war ſchon verſchwunden.
Leute herauszupochen und die Hausthür öffnen zu laſſen, war ein Verzug, an den ſich nicht denken ließ. Ohne einen Augenblick zu verlieren, ſchwang er ſich da⸗ her über das Gitterwerk des Altans und ſchlug die eine Glasthür ein.
Doch in demſelben Augenblick rief eine Stimme, die dem Grafen Hermann nicht mehr angehörte, Edith zu:„Treuloſe! Du haſt zu lange verzogen: jetzt kräht der Hahn, ich muß hinweg und habe nicht Zeit zu mehr, als ihn, den Andern, zu befreien, welchen Du ebenfalls betrogen haſt...“
ÜUnd als es eben Helmer gelang, durch die zerſchla⸗ Pne Thür, um welche die Glasſcheiben flogen, in den
aal zu dringen, erſcholl ein Piſtolenſchuß durch das Haus, und weckte auf eine ſchreckliche Weiſe die Be⸗ wohner deſſelben...
Von endloſem Wachen ermüdet, war Nilman ein⸗ mal ſo feſt eingeſchlafen, daß er es nicht hörte, wie der Graf den Koffer öffnete, in welchem die Piſtolen lagen, wie er dieſe lud und hinweg ſchlich. Der Graf hatte ſtets einen ſo tiefen Abſcheu vor Selbſtmord gezeigt, daß milmnan in dieſer Hinſicht niemals eine Furcht gehegt
atte.
) Doch jetzt, da er in der düſtern Einſamkeit der Nacht dem grauſamen Irrthume anheim gefallen war, daß er mit ſeinem andern Ich das Weſen gewechſelt hatte, und über den Gedanken phantafirte, er müßte den Zwiſt um die Braut dadurch beendigen, daß er, der ſchon der Schattenwelt Angehörende, mit ihr ent⸗ flöhe, meinte er doch wieder, es ſei feige, den leben⸗ den Grafen Hermann der Pein, ſie zu beweinen, Preis u geben. Eine Piſtolenkugel— und auch er hatte die Feſſeln des Lebens gebrochen.
Doch ſie wurden nicht gebrochen. Der Schuß, wel⸗ cher beſtimmt war, die Stirn zu durchbohren, hatte eine falſche Richtung erhalten.


