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vorſchob, da draußen eine Hand an dem Schloſſe umher⸗ tappte. „Ach ſo!“ ſagte die Stimme des Grafen, doch ſie hatte einen andern Klang, als ſie gewöhnlich zu haben pflegte—„ſie hat mich nicht erwartet!“ Er kehrte um und ging einige Schritte vorwärts... blieb jedoch bald wieder ſtehen.
Zitternd blickte Edith durch das Schlüſſelloch.
Bei demjenigen, was ſie ſah, hätte ſie laut auf⸗ ſchreien mögen; doch der Schrecken lähmte ihre Zunge.
Ihr Verlobter, nur in das lange Laken gehüllt, welches er nachſchleppte und das ſich an den im Wege ſtehenden Stühlen verwickelte, zeigte ſich jetzt von der Seite. Der Mond beleuchtete mit außerordentlicher Klarheit ſein Antlitz, welches faſt eben ſo weiß war, wie das Laken. Mit der einen Hand hielt er den weiten Mantel zuſam⸗ men; in der andern, die er unter dem Laken verborgen hielt— denn ihn ſchien zu frieren— hielt er etwas, das ſich aber nicht unterſcheiden ließ.
Nachdem er ſich einige Minuten beſonnen hatte, trat er wieder an die Thür und klopfte dreimal leiſe an.
Da aber keine Antwort erfolgte, ſo begann er mit dumpfem, höhnendem Tone, indem er immer ſtärker klopfte:
„Graut Liebchen auch?— der Mond ſcheint hell!
Hurrah! die Todten reiten ſchnell!
Graut Liebchen auch vor Todten?“
„Jeſus Chriſtus!“ ſtotterte Edith in der Todesangſt.
„Hal Du hörſt... Du biſt wach? Thu' auf, ich bin's..Mein Rappe ſteht geſattelt, ich hebe Dich auf ihn und wir fahren ab... Doch geſchwind, ehe der Hahn ruft...
Hurrah! die Todten reiten ſchnell! Graut Liebchen auch vor Todten?
„Hermann!“— ſie bemühte ſich, ihre erſtarrenden
Lebenskräfte zurückzurufen—„biſt Du es, oder.. 24


