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welche leiſe und majeſtätiſch über die Veſte des Himmels
hinſchwebte und über die ſtrahlenden Sterne hinglitt und ſo viele verſchiedene Geſtalten auf ihrer Reiſe annahm, daß Edith ihr mit unverwandter Aufmerkſamkeit folgte, und in den leichten, dunklen Abwechſelungen bald einen Brautzug, bald einen Leichenzug zu ſehen meinte.
Doch die weiße Wolke trieb ihren Scherz mit Edith's Einbildung, und wollte weder von einem Braut⸗ noch auch von einem Leichenzuge etwas wiſſen... Endlich ſchien ſie ſtehen bleiben und ſich auf Dagby herabſenken zu wollen: aber in ihrem Sinken wurde ſie dunkler: da ſchieden die ſtrahlenden Sterne, und ein undurch⸗ dringlicher Nebelſchleier verhüllte ſie in ihrer Nacht und ſegelte mit ſeiner Beute auf die Erde hinab.
„O, wer doch dort wäre!“ ſeufzte Edith, indem ſie ſich ſchlaflos auf ihrem Lager wendete.„Wie himm⸗ liſch lieblich, nicht mehr zu leiden und ſich nicht mehr zu ſehnen nach demjenigen, was hier niemals vollendet werden wird!“
Ein ſonderbarer Laut in der Bibliothek zog in die⸗ ſem Augenblicke ihre Aufmerkſamkeit von der jetzt in ihrer Nebelhülle pechſchwarzen Wolke ab, welche bald das Ende ihrer Reiſe erreicht zu haben ſchien.
Der Laut, welchen Edith ſo plötzlich in der ſtillen Nacht vernahm, klang ſo, als ob Jemand draußen um⸗ hertappte und etwas nachſchleppte.
Sie wollte ſich zuerſt uͤberreden, daß dieß nur eine Einbildung war, aber bald unterſchied ſie wirkliche Schritte, obgleich dieſelben bisweilen inne hielten, und ſie konnte ſich nicht irren, daß dieſelben auf ihre Thür gerichtet waren.
Plötzlich flog ein ſchrecklicher Gedanke durch ihre geängſtigte Seele.
„Er iſt es!... Er hat plöoͤtzlich einen Anfall be⸗ kommen und ſich hinausgeſchlichen... Was will er?“
In dem nächſten Augenblick ſprang ſie aus dem Bette, warf ein Tuch über die Nachtkleidung und erreichte die Thür, deren Riegel ſie in demſelben Augenblicke


