haben, das ihn feſſeln konnte. Jetzt war auf die Ruhe eine unheilbare Milzſucht, eine ſchlaffe Unthätigkeit ge⸗ folgt. Nur die Töne der Muſik vermochten wohl bis⸗ weilen ſeine müden Lebensgeiſter in eine leiſe Erſchüt⸗ ternng zu verſetzen, und darum ſpielte nicht nur Edith das Schönſte, das ſie aus den Tönen hervorzurufen im Stande war, ſondern auch Helmer ſaß bis ſpät in die Nacht hinein in der Schlafſtube des Grafen und ſchlä⸗ ferte mit den Tönen der Violine ſeine ſtechenden Schmer⸗ zen in eine wohlthätige Betäubung ein.
Jetzt konnte Helmer ſpielen... und er ſpielte mit jener unnennbaren Kraft der Seele, welche ſich dem todten Inſtrumente mittheilt, ſo daß auch dieſes eine Seele erhält.
Oft ſtand Edith mit flammenden Wangen und klopfen⸗ dem Herzen draußen an der Thür; ſchwieg jedoch die Violine, ſo fuhr ſie zuſammen und flog wie ein er⸗ ſchreckter Vogel zurück in ihr Neſt..
„Er wurde dennoch mein David!“ pflegte der Graf bisweilen von Helmer zu ſagen; und Helmer war wirk⸗ lich dieſem von den Mächten der Finſterniß angefoch⸗ tenen Saul ein David, der ſowohl durch ſeine milde, unermüdliche Sorgfalt, als auch durch ſein Saitenſpiel die böſen Mächte in die Flucht jagte. 1
Aber dieſe Ruhe war nur eine augenblickliche, und mit einer Art von wilder Genußſucht gab er ſich wieder der Milzſucht hin.
Was er da dachte, das wußte Niemand. Er ſagte nicht einmal zu Edith ein Wort über das neue, dunkle Räthſel; aber oft äußerte er zu ihr:„Sei ruhig, der Himmel hatte Dich nicht beſtimmt, mein rettender Engel zu werden!“.
„Ich verdiene es nicht zu ſein,“ entgegnete ſie eines Tages,„und ich wage es kaum,“ fügte ſie hinzu, indem ſie auf das mehr delicate und ſchwere Verhältniß, das ſo zu ſagen vorhanden war und auch wieder nicht vor⸗ handen war, zum erſten Male hindeutete—„ich wage


