Zu einer andern Zeit da daß das Aufgebot abbeſtellt war, und ſchwärmte von ihrer Hochzeit, ihrer Reiſe und ihrem häuslichen Leben.
Edith's Herz war zermalmt.
Oft, wenn ſie Helmer zufällig begegnete, ſah ſie in ſeinen tiefen Augen einen Blick voll zärtlicher Theil⸗ nahme blitzen; doch ſie ſcheute denſelben ebenſo, wie ſie ihn ſelbſt ſcheute. War nicht ſein bloßer Anblick eine Beleidigung gegen den, der noch als ihr Verlobter galt?
Bisweilen trotzte Helmer ihrer Scheu und redete zu ihr Worte des Troſtes, um ihren Muth zu ſtärken. Sie lauſchte einige Minuten, beherrſcht von einer geheimen Macht, aber ſie hatte nicht die Worte, ſondern nur ſeine Stimme gehört... Und wieder floh ſie und verbarg ſich, wo kein menſchliches Auge ſie ſah. Aber ſie konnte ſich nicht vor ſich ſelbſt verbergen.
Endlich trat eine weniger düſtere und unglückliche Zeit ein.
Die Nachtwachen hörten auf, der Arzt weiſſagte das Beſte, und der Graf war des Tages wieder in den Zimmern.
Es war wohl wahr, daß er eher einem Geſpenſt als einem lebenden Menſchen glich, aber er war doch wenigſtens da, und man hoffte auf den Frühling und das neue, warme Leben.
Aber jetzt hielt noch der Winter ſein weißes Leichen⸗ tuch über das Antlitz der Erde.
Und um den häuslichen Jammer zu vollenden, war
Onkel Janne ſchon im Januar abgereist. Der Brief 9
der Hofräthin traf ihn ſo ſpät, daß ſchon vor ſeiner
Rückkehr das traurige Drama auf Dagby ausgeſpielt war.
Die Laune des Grafen hatte in ſeinem geſunden Zuſtande ſich ſtets als ruhig und friedvoll ausgezeichnet. Er hatte ſich gerne mit mechaniſchen Arbeiten beſchäf⸗ tigt, um, ſeitdem er es nicht länger wagte, ſich durch Leſen und Nachdenken anzuſtrengen, dennoch etwas zu Ein launenhaftes Weib. II. 142
gegen hatte er vergeſſen,
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