Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1849)
Entstehung
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die Liebe zwiſchen zwei Seelen einem elenden welt⸗ lichen Stolze geopfert!... Wie niedrig, ja ſündhaft habe ich gehandelt, da ich dieſen ohnehin ſchon ſo unglück⸗ lichen Mann zu einem Spielballe meiner flüchtigen Ein⸗ drucke machte! Ja, ich habe ihn tief, grauſam und unwürdig beleidigt; ich habe ihm dafür nur eine Sühne geben können, und er ſoll ſie erhalten ich habe ſie ihm willig, aus eigenem Antriebe zugeſichert. Ich habe erklärt, gelobt, daß ich es nicht einmal bereuen will... Und ich bereue es nicht, o nein, gewiß nicht!...Und jetzt ſagte erjetzt ſollſt Du mich nicht täuſchen! ich höre dieſe Stimme, ich ſehe dieſen Blickdenn thuſt Du das, ſo muß ich vergehen!

Ihr Haupt ſank auf die Bruſt, an welche ſie die gefalteten Hände härter preßte.

Warum, ſtotterte ſie mit immer ſchwächerer Stimme, welche erkennen ließ, daß die Kraft, welche das Gebet hervorgerufen hatte, wieder zu weichen begann,warum tödtet nicht der Schmerz? Er iſt noch nicht vollgehäuft ... er kann noch weit höher, ja bis zum Wahnſinn ſteigen!... Gibt es aber nichts Schrecklicheres, als Wahnſinn? Wahnſinn iſt ja ein Vergeſſen... die Pein des Bewußtſeins iſt die größte. Das Opfer wird in die Brautkammer geführt... bei der Fiebergluth in ſeinen Blicken erſtarrt ſchon jetzt mein Blut, ſteht mein Herz ſtille... O möchte es für immer aufhören zu ſchlagen!

Während ihre erregten Gedanken ſo hin⸗ und her⸗ ſchweiften, waren ihre Augen geſenkt geweſen. Jetzt er⸗ hob ſie dieſelben.

War es ein Geſicht der Phantaſie oder der Wirk⸗ keit? Das Fenſter gegenüber war erleuchtet... eine Geſtalt zeichnete ſich auf der Gardine ab.

Er iſt es! rief ſie aus und in dieſem einzigen Ausrufe concentrirte ſich das ganze Vermögen ihrer Seele zu fühlen, zu leiden und zu genießen.

Ihre Kräfte waren erſchöpft; ſie ſchleppte ſich an das Fenſter, wo ihr Haupt auf den kalten Rahmen