165⁵ „Sobald die Aufgebote zu Ende ſind!“
„Aufgebot? das iſt wahr!... Können wir ſchon am Sonntage?“ „Mache das mit der Mutter ab... ſie kommt
eben Und Alles wurde abgemacht, denn bis zum Sonn⸗ tage hatte man noch drei Tage.
Noch einmal flammte der Lebensfunke auf in der Seele des Kranken. Alle düſteren Phantaſien waren ver⸗ ſchwunden, ſeitdem die Soum ſie beſchienen hatte. Er wurde ſogar körperlich geſund, denn das Glück iſt ein großer Arzt, und Graf Hermann war in den Vorſaal des Himmels getreten.
Mit übermenſchlicher Anſtrengung beherrſchte Edith nicht nur ihre Gefühle, welche immer wilder und ſtür⸗ miſcher wurden, je näher die Zeit kam, ſondern ſie be⸗ herrſchte auch ihre Geſichtszüge, ihre Stimme, ihre Haltung.
Sie ging mit Mamſell Octavie zu Rath über mehrere Sachen ihrer Brauttoilette. Olga erhielt die ernſteſten Ermahnungen, keine Blume in der Stickerei des Brautſchnupftuches zu verderben, und der Rittmeiſter, welcher eben jetzt nach einer achttägigen Abweſenheit aus Carlſtadt zuruckkehrte, erhielt einen freundlichen, aber be⸗ ſtimmten Wink, dem er auch ſogleich gehorchte, während dieſer kurzen Wochen, da man ſo große Eile hatte, Dagby zu verlaſſen: der Graf ſollte durch die Anſpielungen des Rittmeiſters nicht gepeinigt werden. Und in dem Allem ſah man das Bild einer Braut, die mit dem beſten
Willen von der Welt ging, um ihr freies Mädchenleben
gegen das mit größerer Verantwortlichkeit verbundene Leben einer Gattin zu vertauſchen.
Olga⸗ nannte ſie ſchon Gräfin, und Cdith lächelte und verſicherte ihren Bräutigam, daß ſie ſich ſehr gerne benennen laſſen würde mit dieſem Titel, welcher ihr


