Teil eines Werkes 
4.-6. Bändchen (1849)
Entstehung
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Es iſt wahr, daß ich auch mit dem Schmerz nicht unbekannt geblieben bin, doch im Vergleich mit Andern iſt mein Schmerz doch nur gering geweſen, und kein einziger hat mich heimgeſucht, für welchen ich nicht Troſt gefunden hätte durch den Gedanken an Dich könnte jede Mutter in ihren letzten Augenblicken ſo zu ihrem Sohne reden!

Und möchte jeder Sohn mit größerer innerer Zu⸗ friedenheit als ich ſo liebliche Worte vernehmen! ſagte Helmer, indem er die Hände der Mutter zärtlich an ſeine Lippen drückte.Es gibt eine Liebe, die reich und groß genug iſt, um Alles zu bemänteln. Eine ſolche Liebe iſt die Liebe meiner Mutter geweſen.

Und es gibt eine Liebe, die reich und groß genug iſt, um ſogar in dem Augenblicke der Trennung die Rechtfertigung zu verſchmähen, weil dadurch nicht nur auf Jemanden, der ſich nicht mehr vertheidigen kann, ein Schatten geworfen, ſondern auch ein Herz verwundet werden würde, für deſſen Frieden ſie ſo viele und große Opfer gebracht hat.

Was höre ich! rief Ernſt aus, und ſeine großen von ſtarker und mannigfaltiger Rührung flammenden Augen hefteten ſich auf die Mutter,wie iſt es mög⸗ lich, daß dieſes Geheimniß, welches ich keinem Men⸗ ſchen verrathen habe...

Bis zu mir gedrungen iſt? Ja, Gott wollte es. Schon lange habe ich's gewußt; doch erſt am Ende meines Lebens wollte ich Dir geſtehen, daß ich es wußte: denn das Erröthen der Gattin ſoll ſich erſt im Tode an der Bruſt des Sohnes verbergen,

Ernſt vermochte nicht zu antworten.

Mein edler, zärtlicher Sohn! fuhr ſie nach einigen Augenblicken fort,ich habe Dir gedankt, habe Dich unter ſüßen Thränen geſegnet, daß Du unter allen Deinen Be⸗ kümmerniſſen und Anſtrengungen niemals mit dem gering⸗ ſten Worte meine Ohren verletzteſt. Glücklich die Gattin, die dereinſt meinen Ernſt den Ihrigen nennt! Wer ſo auf⸗ opfernd, ſo feinfühlend, ſo unausſprechlich reich an Liebe

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