178
wenn Du nicht mehr hier biſt! Wie ſanft, gut und gnädig iſt nicht Mutter jetzt: ſie weiß, daß ich in mei⸗ nem Onkel einen Vertheidiger habe.“
„Kind! bei Deiner Mutter bedarfſt Du keines andern Berfheidigers, als ihres Herzens; doch Du haſt— ich
muß es geſetzt.“
„Ach Onkel, Du weißt nicht, wie oft ſie die meinige auf die Probe geſetzt hat— doch gleich gut; ich will davon jetzt nicht reden, ſondern nur Dich, mein Onkel, anflehen, daß Du hier bleibſt!“
ir leider ſagen— ihre Geduld auf die Probe
—
„Unmöglich, Schwager! ganz unmöglich!“ erklärte die Hofräthin, als ſie den Alten in der Bibliothek, wo
alle inneren An gelegenbeiten gewöhnlich abgemacht
wurden, in eine Ecke eingekeilt hatte;„Du ſiehſt ja ſelbſt, daß einzig und allein Deine Anweſenheit Edith wenigſtens ſo vernünftig macht, wie ſie jetzt iſt. Zwar plagt ſie mich auch jetzt noch bisweilen, im Ganzen aber iſt ſie ihrer Pflichten unvergleichlich beſſer einge⸗ denk. Sie weiß es recht gut, daß ich doppelt ſtärker bin, ſo lange ich Dich an meiner Seite habe.“ „Geſchwätz, Frau Schwägerin! lauter Geſchwätz!“ „Nein, ich betheure, daß ich kein Wort ohne Be⸗ deutung ſage! Wenn Du nur noch ein wenig warten willſt, ſo denke ich, Du kannſt ihre Verlobung ſegnen: es ſieht in dieſer Rückſicht ſehr gut aus. Ich war über⸗ zeugt, daß ein ſolcher Mann auf ſie Eindruck machen wuürde............ Demnächſt kam auch der Graf mit ſeinen Bitten. Wohin ſollte er fliehen in den Stunden, ja wohl Tagen, da ſeine Sonne ſich in den Wolken verbarg, wenn er nicht zu dem geduldigſten von allen Menſchen
ſeine Zuflucht nehmen konnte. In ſeiner feinfühlenden
Delicateſſe wußte er auch nicht einmal, ob er bleiben
könnte, wenn der einzige männliche Verwandte das
er


