Edith's Herzen, oder wie ſie ſich noch zu glauben über⸗ redete, zwiſchen ihrer Phantaſie und ihrem beſſern Wiſ⸗ ſen vorging. Und wir haben geſehen, wie ſie ſich an jenem Sonntage, da ſie ihre drei alten Freier verab⸗ ſchiedete, vorher auf ihrem Zimmer— nach ihrer Rück⸗ 35 dns der Kirche— der zügelloſeſten Verzweiflung ingab.
Was hatte dieſe Verzweiflung hervorgerufen, welche ſie in eine ganz neue Welt warf?
Sie hatte während des Gottesdienſtes Helmer gegen⸗ über geſeſſen und zum erſten Male mit wirklichem Schrecken eingeſehen, welchen tiefen Eindruck die äußere Geſtalt auf das Gemüth machen kann..
Auch über einen andern, ebenſo bedeutungsvollen Umſtand erſchrack und ſchauderte ſie..
Während ſie in ihrem Gedächtniſſe kein einziges von den Worten, die von den Lippen des Geiſtlichen ingen, zu behalten vermochte, wiederhallten in ihren
hren unaufhörlich die wenigen Worte, welche Helmer ihr geſagt hatte, da ſie bei dem Zuſammentreffen auf dem Kirchhofe die Treppe zu dem Tempel hinaufſtiegen. Und dieſes Zuſammentreffen, war es wirklich ein Zufall? Hattenſte nicht eine Ahnung gehabt, eine Ueberzeugung — nein, ſie zwang ſich, an eine ſo tiefe Erniedrigung gar nicht zu glauben. Sie, die ihre Blicke auf ſo Viele werfen konnte, ſollte ſie auf eine ſchwache Hoff⸗ nung gereist ſein, um eine ſo unbedeutende Perſon wie den Bruksverwalter zu treffen?
O, es war nur eine Phantaſie, es konnte nicht anders ſein.
Inzwiſchen wurde ſie von einem tiefen Ekel vor dem faden Spiele mit den drei betagten Rittern ergriffen.
Sie hielt es nicht länger damit aus, es war vergebens,
ſich eine Zukunft mit Einem unter ihnen zu denken; und indem ſie ihre Laune auf etwas warf, wo dieſelbe nicht weilen durfte, mußten die armen Freier die Zeche bezahlen.
Aber dieſer Tag war doch allzu unglücklich! Es war ein Tag voll von lauter böſen Einflüſſen.


