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Edith hatte viele gute Neigungen, wenn ſie nur hervorgerufen worden wären, und eine ſolche Verachtung gegen alles Niedrige; doch feurig, romantiſch, mit einer ausſchweifenden Phantaſie, war ſie zugleich eigenſinnig, übermüthig, eine Sklavin ihrer Eindrücke, ein Spiel⸗ ball ihrer Launen.
So war ſie, und wenn es möglich war, daß aus
dem Allem etwas Gutes werden konnte, ſo war dazu eine Kraft erforderlich, unter welche ihre eigene ſich beugen mußte— doch woher ſollte dieſe Kraft kommen?
Bis jetzt erkannte ſie keine andere Macht, als die ihrer Einfälle; und war es wohl denkbar, daß Graf Hermann— er, der den ermüdenden Ringkampf mit ſeinen eigenen Verirrungen ſo eben erſt beendigt hatte und ſich nur nach der Ruhe, dem Frieden und dem ſchützenden Engel ſehnte— im Stande ſein ſollte, ſo viele verſchiedene Elemente zuſammenzuhalten?
Jetzt aber wollen wir einen Theil von demjenigen
beleuchten, was für Edith ſelbſt noch finſter war.
Bis vor drei Monaten hatte ſie ein Vergnügen ge⸗ funden an der Stellung, welche ſie ſich verſchafft hatte, ja ſogar an der Verleumdung, deren Ziel zu ſein ſie ſich bewußt war.... ein Vergnügen an ihren Erobe⸗ rungen, ein Vergnügen an ihrer Koketterie, ein Ver⸗ gnügen an der Verzweiflung, die ihre Veränderlichkeit hervorrief— mit einem Worte: ſie hatte bemenkt, daß gerade ihre Launen es waren, die ihr ſo ſinnreiche Zer⸗ ſtreuungen verſchafften. Sie hatte dieſelben daher be⸗ gänſin und ihnen erlaubt, ſie auf jede Weiſe zu zer⸗
reuen.
Seit drei Monaten aber waren ihr alle Eroberun⸗ gen, alle Vergnügungen, ihr ganzes zweckloſes Leben zuwider, und ſie aller dieſer Dinge herzlich müde.
Vor Allem war ſie eben jener Launen müde, welche ſie umher jagten und ſie die Feſſeln einer Sklaverei empfinden ließen, welche ſie nicht länger tragen wollte, und welche ſie dennoch trug.
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