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„Betrachten Sie mich ſo, denn das bin ich von Herz und Seele! Entſchuldigen Sie jedoch, wenn ich es nicht immer zu zeigen vermag; denn,“ fuhr ſie fort, indem ſie plötzlich in einen ganz andern Ton ſiel,„Sie haben gewiß ſchon längſt bemerkt, Herr Graf, daß ich ein verzogenes Kind bin, deſſen Launen zahlreicher ſind, als die Tage im Jahre.“
„Sie klagen ſich ungerechter Weiſe an, Fräulein!“
„Ungerechter Weiſe?— das werden wir ſehen! Inzwiſchen gebe ich Ihnen den Rath, ſich zu verhärten; denn, glauben Sie mir, die Engelgeſtalt, in welcher Sie mich bis jetzt zu ſehen das Glück gehabt haben, fällt gewiß ſehr bald.“
„Ach, dieſer Scherz iſt allzu grauſam! Vermuth⸗ lich iſt es ein Converſationsausdruck, doch ein ſolcher, den ich nicht verſtehe. Ich bitte Sie, ſchonen Sie meiner!“
In einer ſolchen Laune war jedoch Edith in dieſem Augenblicke nicht.
„Es gehört,“ entgegnete ſie,„dasjenige, was ich eben ſagte, keineswegs zu den ſtereotypen Converſations⸗ ausdrücken, und keineswegs dürfen Sie geſchont werden, Herr Graf— alle Illuſionen ſind gefährlich!“
Das war dem Grafen Hermann allzu ſtark.
Er betrachtete Edith mit einer gewiſſen Bangigkeit. Sie that ihm weh, obgleich er ihrer Selbſtbeſchuldigung keinen Glauben beimeſſen konnte.
„Ach nein,“ bat er ſanft,„rauben Sie mir meine Illuſion nicht— ich bin allzu glücklich darin! Aber es iſt auch keine Illuſion: für mich ſind Sie immer das Ideal des Guten und Reinen. Ihre Fehler— wenn Sie ſolche haben— ſehe ich gar nicht.“
„Aber Sie leiden durch meine Fehler,“ ſagte Edith in einem Anfall von Reue,„und das iſt ſchlimm.... um ſo ſchlimmer, als ich fürchte, daß dieſes nicht das letzte Mal iſt. Ich bin unverbeſſerlich!“


