Die Winde, welche während des verfloſſenen Tages in friſcher Bewegung geweſen waren, legten ſich allmälig und ſchaukelten ſich ſtill und gemächlich in den Schlaf auf den Armen der Bäume, während der Nix in dem Waſſer⸗ falle dort unten ſowohl ihnen, als auch den einſamen Waldglocken und den Ringelblumen auf den Gräbern vorſang; uns eingeſchläfert von dem Geſange und ge⸗ ſättigt von dem näͤchtlichen Thau ſenkten auch die Blu⸗ men ihre Häupter und entſchlummerten.
Alles ſchlummerte, von dem Johanniswürmchen an, welches dort in dem dunkeln Sande des neulich aufge⸗ worfenen Grabes ſchimmerte, bis zu der Schwalbe, welche ihr Haus in der Spitze des Kirchthurmes gebaut hatte.
Nur die Seufzer des Waſſerfalls und die Seufzer aus einer Menſchenbruſt ſtörten das Schweigen.
Der Mann, welcher ſo lange unbeweglich an ſei⸗ nem Platze geſeſſen hatte, erhob nun das Haupt und blickte um ſich her, als ſuchte er eine lebendige Geſell⸗ ſchaft. Er fand auch bald eine ſolche, indem ſein Fuß einen Froſch aufſcheuchte, welcher in den Blumen verſteckt gelegen hatte..
„Ach ſo!“ ſagte der Nachtwanderer, indem er ſeinen großen, ſeelenvollen Blick, unverdunkelt von den Thränen, welche in den Wimpern hingen, mit einer Art von Zärt⸗ lichkeit auf dem kleinen Leben ruhen ließ, welches dort umherkroch,„Du und ich, wir wachen mit einander? Habe Dank dafür! Aber es war Unrecht von mir, daß ich Dich weckte; geh Du zurück in Dein Blumenbett— und glaubſt Du mir irgendwie Dank ſchuldig zu ſein, ſo ſchone der Würmer ſo, wie ich Deiner ſchone; denn, ſiehſt Du, wenn der Wurm in Ruhe mit ſeiner Arbeit fortfahren kann, ſo erhält die Erde um ſo früher ihre Anleihe zurück und da wird Alles gut.“
Indem er dieſe Worte halblaut ſagte, rollte das leichte Gewölk hinweg, welches auf einige
Klarheit auf das Geſicht des Mannes. Dieſes ſpiegelte ſtarke Gefuhle, fromme Gedanken, faſt die reinen Ge⸗
Augenblicke 1 den Mond verdunkelt hatte, und ſein Schein ſiel mit
herv
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