lands, ſeit einer Reihe von 250 Jahren nur aufzuweiſen hat, zu einem Kirchenfeſte, das den Namen„die Verflu⸗ chung der Ketzer“ und zwar der politiſchen wie der reli⸗ giöſen führt, zu erheben. So hat auch unſer Jahrhun⸗ dert die Namen Derer gehört, auf denen das Anaàfema dieſer Kirche ruht. Boris Gudonow, der falſche Deme⸗ trius(Marina's erſter Gemahl), Mazeppa, Sſenka, Raſin und Pugatſcheff führen den Reigen in dieſem ſelt⸗ ſamen Regiſter und nach jedem Namen ſchleudert ein Baſſiſt mit gewaltiger Donnerſtimme ein mehrmaliges herzerſchütterndes„Anaèfema“ durch die Kirche und un⸗ mittelbar darauf folgt daſſelbe grauenvolle Wort in den lieblichſten Melodien von einem Knabenſängerchore aus⸗ geführt, als ſollte der entſetzliche Fluch verſohnt werden durch den in's Herz ſich einſchmeichelnden Sang. Bei die⸗ ſer Gelegenheit zeigt jedoch auch die Kirche eine dankbare Erinnerung, denn bei Boris Gudonow's Namen, der ein freilich illegitimer, aber doch guter, das heißt, den Prie⸗ ſtern ſehr geneigter, ſie, die Gotteshäuſer und Klöſter mit reichen Schenkungen bedenkender Regent war, wird vor dem über ihn auszuſprechenden Anàfema geſagt: „Für das Gute, was er gethan, ſei ihm der himmliſche Segen!“ Es iſt ein ſeltſamer Feſttag, aber echt ruſſiſch, aus dem Herzen des orthodoxen Volkes hervorgegangen und auf's Innigſte mit demſelben verwachſen, ein Zeug⸗
niß, daß die Erinnerungen in Rußland nie veralten, eine
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