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ſtien beſtand. Und nach geſprochener Abſolution über die ſichtbar kraftloſer Werdende reichte er ihr das heilige Abendmahl, zu gleicher Zeit es ſelbſt genießend. Feierliche Stille waltete im Kerker; Praskowa kniete entfernt von dem Lager ihrer früheren Herrin, die weinenden Augen in die Hände verbergend. Nach einer langen Weile legte Pater Faver prüfend die Hand auf Marina's Stirn und erkannte, daß ihr Leben verronnen, der letzte Pulsſchlag ihres Herzens für dieſe Zeitlichkeit vollendet ſei.„Friede mit Dir, Du Arme!“ ſprach er, das Kreuz über ſie ſchla⸗ gend...„der Kreml ſah Dein trügeriſches Glück als Fürſtin dieſes Reiches, er hat nun Dein Ende geſehen im tiefſten Elend. Die Wiege der Luſt ward auch Dein Sterbebett. Nuhe ſanft von den vielen ſchweren Enttäu⸗ ſchungen, die das Leben Dir brachte, Gott iſt ein milder Richter, ein treuer Vater.“
3„Gospodi pomilui!“ fügte Praskowa andächtig hinzu.
Die ruſſiſch⸗griechiſche Kirche iſt die einzige unter den chriſtlichen, welche es übernommen hat, eine öffent⸗ liche Sonderung und Sichtung des Guten und Böſen, was die an großen Ereigniſſen und den merkwürdigſten Perſönlichkeiten ſo reiche Geſchichte des heiligen Ruß⸗


