192
kowa zu ihr; ſie wußte, mit welcher Sehnſucht ſie erwar⸗ tet wurde und welche Wohlthat ihr Kommen für die Un⸗ glückliche war, die alle Freuden eines großen ſchönen Le⸗ bens durchgekoſtet, nun auch die Bitterkeiten des Elends bis auf die Hefe leerte. 3
Eines Tags bemerkte ſie einen Diakon, der ihr nach dem Kreml folgte, wo ſich das Gefängniß der Czarin be⸗ fand. Es war ihr, als gäbe er ihr ein Zeichen, ſeiner zu warten. Sie wußte nicht, ob dies wirklich ihr gelten ſolle und ging deshalb langſamer. Unterm Erlöſerthore ſchritt er hart an ihr vorüber und blickte ſich wie zufällig um. Praskowa blieb vor Erſtaunen wie am Boden angewur⸗ zelt ſtehen, ſie erkannte in ihm Pater Xaver, Julians Bru⸗ der. Langſam ſchritt er weiter, aber ein Wink ſeiner Au⸗ gen deutete ihr an, wie er angelegentlichſt ſie zu ſprechen wünſche. Er trat in die Himmelfahrtekirche ein, wo ſo viele Fromme vor dem verehrten Bilde der heiligen Jung⸗ frau von Wladimir ihre Andacht verrichteten. Sollte ſie ſeinen Wunſch unerfüllt laſſen? ſein Blick war ſo flehend geweſen, als ruhe auf ihr eine große Hoffnung ſeiner Seele und ſie... ahnte dies Hoffen.
Am andern Tage um dieſelbe Zeit erſchien ſie von einem Diakon begleitet, bei dem Gefängnißwärter.„Die Lateinerin willſt Du zu unſerer heiligen rechtgläubigen Kirche zu bekehren verſuchen, Väterchen?“ fragte der Mann.„Nun, mir iſt's recht; aber ich denke, Du wür⸗


