Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

185

Die Stille jetzt im Hauſe und der tägliche Anblick ihres geiſtesirren Herrn, das ſchweigende Weſen Ephim's, laſtete zuweilen unheimlich und ſie anklagend auf ihrer Seele. Zuweilen, wenn der Wunſch, Praskowa wieder hier zu ſehen, zu lebhaft in ihr wurde, richtete ſie furcht⸗ ſam die Frage an Ephim:Werden wir unſers Väter⸗ chens Tochter je wiederſehen?

Weiß ich's,?

Es war ſo wenig geantwortet und eben ſowohl ver⸗ neinend wie der Hoffnung Raum gebend, daß Nataſcha ſich wieder zum Schweigen verurtheilt ſah. Nur mit dem Ilia, dem guten Eſſer, der trotz alle dem, was ſich er⸗ eignet, ſeinen geſegneten Appetit nicht verloren hatte, konnte ſie über den auf ihr laſtenden Kummer ſprechen. Aber das war doch kein rechter Troſt für ſie; der Ilia war eine zu profane Natur, die ſich höchſt ungeſchickt bei Dingen benahm, die außerhalb ſeiner Sphäre lagen.

Eines Tages verlangte ein greiſer ehrwürdiger Pope Ephim zu ſprechen. Nataſcha hatte dieſen geiſtlichen Herrn noch nie im Hauſe geſehen und glaubte das Wahre entdeckt zu haben, wenn ſie annahm, daß es ſich für Ephim um das Malen eines Heiligenbildes handelte, wel⸗ ches Geſchäft er immer noch fortſetzte, da es gleichſam zur Verſchönerung ſeines in einſamer Stille ruhig hinflie⸗ ßenden Lebens gehörte; deſto erſtaunter war ſie, als nach dem Beſuche des geiſtlichen Greiſes Ephim zu ihr