169 Nachtkälte, der er im Freien ausgeſetzt geweſen, hatte
ſeine Sinne ſo verwirrt, daß er zu jedem nur einigermaßen zuſammenhängenden Berichte über die Art und Weiſe, wie er in den Zuſtand, in dem man ihn gefunden, gekom⸗ men ſei, unfähig geworden war. Marina wies jede Kennt⸗ niß deſſen, was vorgefallen, entſchieden von ſich, und ſie konnte das um ſo eher, als Praskowa, ohnehin tief er⸗ ſchüttert von dem, was ſie früher ſchon gelitten und was ihre Seele faſt zermalmt hatte, durch das Erlebniß in die⸗ ſer Nacht ganz gebrochen in einen traurigen Fieberparo⸗ xismus verfiel, der ſchnell zu vollem Ausbruch gedeihend ihr Leben ernſtlich bedrohte, ſie alſo ebenfalls die Fähig⸗ keit entbehrte, irgend etwas das Geheimniß Aufklärendes zu verrathen.
Marina durchlebte ſechs ſchreckliche Tage, ehe ſie eine Gewißheit von der glücklichen Ankunft ihres Gemahls zu Kaluga erlangte. Das Lager von Tuſchino ward für ſie zu einem grauenvollen Aufenthalt, denn die wildeſte Anar⸗ chie der herrenloſen Soldaten drohte auch ihr den Unter⸗ gang; nur der Muth, den ſie in dieſer gefährlichen Lage zeigte, war ihr einziger Schutz. Wollte ſie nicht Pras⸗ kowa im hilfloſeſten Zuſtande verlaſſen, ſah ſie ſich ge⸗ zwungen zu bleiben, zudem war auch ihr kleiner Czare⸗ witſch noch zu ſehr krank, als daß ſie ohne Gefahr für ſein Leben die Reiſe nach Kaluga in der kalten Jahreszeit hätte wagen können. So vergingen drei Wochen, Gene⸗


