13
ſchmeide mitgenommen worden. Ein förmlicher Raub al⸗ ler ihrer Habe war an ihr geſchehen, ſo daß ſie nun als eine tief Verarmte vor Praskowa ſtand, die ihr zu Füßen kniend ihre Hand mit Kuſſen und Thränen bedeckte.
„Stehe auf, Kind,“ befahl Marina...„ſtehe auf. In dieſem Lande muß man keine Thränen der Liebe wei⸗ nen, es ſind nur verlorene Perlen. Darum ſiehſt Du mich auch ruhig und gefaßt. Wir ſind Thoren, wenn wir unſere eigene Kraft beugen durch ein Beklagen deſſen, das zu ändern uns die Mittel fehlen.“
„O meine gute gnädigſte Herrin, was würdeſt Du von meinem Herzen denken, wenn ich keine Thränen für Dein Unglück hätte!“ rief Praskowa.
„Ja Du biſt gut, Kind. Der Himmel hat in dieſem Lande, das mir und den Meinigen zum Fluch geworden i*ſt, auch guten Saamen ausgeſtreut,“ ſagte Marina be⸗ wegt.„Ich danke Dir für deine Liebe. Siehe, ſo arm hat man mich gemacht, daß ich blos ſagen kann: ich danke Dir! Weiter iſt mir nichts geblieben von aller Macht und Hoheit.“
„Ich verlange ja keinen Dank,“ entgegnete Prasko⸗ wa.„Es iſt füͤr mich eine Wohlthat, Dich wieder zu ſehen, um die ich ſo vielen Kummer empfunden habe. Gewiß, gütige gnädigſte Herrin, Du biſt noch nicht arm, Du weißt immer noch ein Herz, das Dich liebt, nicht wegen Deiner Freigebigkeit in Geſchenken, ſondern um Deiner


