kannte keine Milde. Praskowa fühlte vor ihm jene Ab⸗ neigung, welche ein Schrecken erregender Gegenſtand dem Gemüthe einflößt.
Von Ephim hatte ſie nichts zu ſürchten, er war gut und keines Verrathes an ihr fähig, das wußte ſie; aber eben dies Bewußtſein ſchlug ſie auch mit Kummer. Sie ſah es, wie glücklich in der Liebe zu ihr er ſich fühlte, wie er in ſeiner ſtillen herzlichen Weiſe Alles that, was, wie er glaubte, ihr Freude bereiten konnte und deshalb drückte ſie der Vorwurf um ſo mehr, ihn täuſchen zu müſſen. Ach, wie wenig Aehnlichkeit bot ſein Erſcheinen mit dem ſchö⸗ nen Bilde Julians! Ephims baumlange Geſtalt ohne alle kräftige Haltung erſchreckte ihr Auge, wenn ſie an Julian dachte. Sein Geſicht erſchien ihr ausdruckslos gegen das Jenes, aus deſſen Blicken Muth und Lebensluſt blitzte. Sie hätte gern dieſe äußeren Vorzüge des jungen polni⸗ ſchen Cavaliers vergeſſen, aber ſie waren zu feſt ihrer Erinnerung eingeprägt und die ſchwungreiche Phantaſie des jungen Mädchens lieh ihnen immer friſche Farben. Schuldbewußt fühlte ſich Praskowa in Ephims Nähe. So gut auch Nataͤſcha war, ſo fehlte ihr doch Alles, um nur annähernd ein größeres Vertrauen von des Mädchens Seite zu rechtfertigen. Nataſcha kannte Nichts, was über ihre ſehr beſchränkte und tief untergeordnete Sphäre im Hausweſen hinausreichte; der Ilia, ihres Vaters Diener, war es allein, der jetzt, wo Praskowa ſo viel Kummer


