Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
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unmittelbar hineinverwebtes Eigenthum, wie Alles zu ihm; es war ihr Vieles im Vaterhauſe fremd geworden, als wäre ſie jahrelang ſern geweſen und doch war es nur eine Abweſenheit von wenigen Wochen. Wie Blumen ihre Farbenpracht verändern und ihr ausſtrömendes Aroma ſchwächer wird oder ſich ganz verliert, wenn ſie in fremde Erde, unter fremden Himmel verſetzt werden, ſo auch drückt der Wechſel des Kreiſes, in den das Geſchick den Men⸗ ſchen drängt, in ſeinem veränderten Fühlen und Denken ſich aus. Praskowa vermißte im Vaterhauſe ſo Manches, woran ſie ſich in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts im Kreml ſchnell gewöhnt, weil es wie ein Wohllaut zu ihrem leicht empfänglichen Herzen geſprochen hatte. Ihr ſehlten zwei Weſen, zu denen ſie ſich unwillkürlich gezogen ge⸗ fühlt: die Czarin Marina und der ſchöne Julian Gol⸗ ezewski. Deshalb laſtete es wie ſchweres Weh auf ihrem Herzen, über Beider Schickſal eben ſo viel wie gar nichts zu wiſſen. Nur, daß Marina im Krem!l als Gefangene gehalten werde, hatte ſie erfahren, von Julian Golczewski aber keine Silbe.

War er als Opfer des mordluſtigen Volkes gefallen im Kampfe, oder hatte er ſein Leben retten koͤnnen? Dieſe Frage, auf welche ſie ſich keine Antwort zu geben ver⸗ mochte, betrübte ſie tief und doch mußte ſie dieſe Betrüb⸗ niß ſorgſam geheim halten, der Vater durfte ſie nicht ein⸗ mal ahnen, ſein gegen die Lateiner von Haß erfülltes Herz

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