Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

165

tes Gemach abgeführt wurde. Selbſt die polniſchen Hof⸗ damen Marina's, inſofern ſie jung und ſchön waren, wur⸗ den von den Bojaren als gute Beuteſtücke betrachtet und mußten ihnen gezwungen folgen.*) Bald waren die vorher ſo glänzenden Zimmer von allen nur irgend in's Auge fallenden Dingen, die einen wahren oder eingebil⸗ deten Werth beſaßen, beraubt, ſelbſt die Tapeten hatte der beutegierige Pöbel fetzenweiſe herabgeriſſen. Trümmer von Möbeln, die man nicht hatte fortbringen können und die kahlen Wände zeigten von der dummen Brutalität, die jetzt die Herrſchaft in dieſen Räumen geführt hatte. Wenigſtens geſchah kein Mord an den polniſchen Damen, obwohl die ihnen angethane Entehrung nicht weniger als ein moraliſcher Tod war.

Ephim zog die faſt bewußtlos gewordene Prasko⸗ wa aus dem abſcheulichen Gewühl in den Zimmern auf einen nahen Gang hinaus. Das Mädchen war leichen⸗ bleich geworden, das Entſetzliche, was geſchehen war, be⸗ täubte und verwirrte ſeine Sinne.„Praskowa, faſſe dich!“ ſprach Ephim zu ihr...„es iſt Alles vorüber... Dir geſchieht kein Leid... ich bin bei Dir, Dein Schitzer, Dein beſter Freund.“ Dabei ſtrich er liebreich mit der Hand über das bleiche Geſicht ſeiner Verlobten.

*) Siehe Mackiewicz, J.