13
ten! Er konnte ſich daher auch keine Vorſtellung davon machen, daß Diejenigen, welche ſich anderen religiöſen An⸗ ſchauungen hingaben, ein Glück in denſelben fänden, aber er war trotzdem kein Haßſüchtiger, der ſie deßhalb verab⸗ ſcheuete, im Gegentheil, er bemitleidete ſie um ihrer Ver⸗ blendung willen. Nach den, wenigſtens damals, üblichen Anſichten der Ruſſen war keine Kirche heilig, als nur die ihre, morgenländiſche. Unter der Bezeichnung Lateiner verſtanden ſie die Bekenner der römiſch⸗katholiſchen Reli⸗ gion und in ihren Augen waren Lateiner und Heiden gleich. Die tiefe Abneigung gegen die Rußland ſtets feind⸗ lich gegenüber ſtehenden Polen hatte den Letzteren von Sei⸗ ten der Ruſſen vorzugsweiſe die Bezeichnung Lateiner erworben, wodurch ſie nicht nur den bei ihnen zu Fleiſch und Blut gewordenen alten Nationalhaß gegen das ihnen jederzeit mit Uebermuth und Verachtung begegnende und ſie mit blutigen verheerenden Einfällen überziehende Polenvolk, ſondern auch ihren Abſcheu gegen die römiſch⸗katholiſche, daſelbſt alleinherrſchende Religion ausdrückten. In Be⸗ zug auf die Polen galt demnach die Bezeichnung Lateiner als ein Schimpfwort. Für alle orthodoxen Ruſſen war es daher eine Beleidigung ihrer Religion wie ihres National⸗ bewußtſeins, eine der römiſch⸗katholiſchen Kirche ange⸗ hörende Czarenbraut und Polin von Geburt einziehen zu wiſſen in die Mauern des Kremls; dieſe Wahl ſtempelte in


