Nachmittags blieb er noch eine lange einſame Stunde im Gebet in ſeinem Zimmer eingeſchloſſen. Dann kam er wieder zu Georginen, und da ſeine Seele deſto ruhiger wurde, je mehr die entſcheidende Stunde herannahte, ſetzte er ſich neben ſie, und verſuchte von der Reiſe und der Zukunft zu ſprechen, ſowie von ihrer Rückkehr und der Glückſeligkeit, die ſie dann genießen würden, wenn Gott ihnen vergönnte, noch ferner zuſammen zu leben. Aber Georgine ſchmiegte in tiefer Beklemmung ihrem Kopf an ſeine Bruſt; es war nicht das Leben in ſeinen Schilderungen, wie ehedem; die Farben waren ſo matt, und das Lächeln traurig; nur an ſeinem Herzen fühlte ſie ſich ruhig. Endlich zog er einen Brief hervor, der nach Roſendal abgehen ſollte, um Hermer zu bitten, herüberzukommen. Dies tröſtete ſie etwas; denn ſie hatte ein unbegränztes Vertrauen in die Klugheit und Geiſtes⸗ gegenwart ihres Stiefvaters. Nach einer Weile, die er mit ſeinem Söhnchen hinweggeſcherzt hatte, äußerte Lin⸗ dorm, daß er hinausgehen wolle, um friſche Luft zu ſchöpfen und zugleich das neuangebaute Baumgut zu beſehen. Georgine wollte ihn durchaus begleiten, aber er lehnte es ab, indem er verſicherte, daß dieſe Wande⸗ rung zu beſchwerlich für ſie wäre und daß er bald zurück ſein werde. Er verſuchte, nur einen leichten und gewöhn⸗ lichen Abſchied von ihr zu nehmen; aber ſein Gefühl überwältigte ihn. Mit tiefer, unendlicher Rührung ſchloß er Mutter und Kind an ſein Herz, winkte ihr zurückzu⸗ bleiben, und verließ mit gewaltſamer Anſtrengung das Zimmer. Georginens Unruhe nahm mit entſetzlicher Schnelligkeit zu, und nachdem ſie eine Zeit lang verge⸗ bens ſich durch alle erdenklichen Wahrſcheinlichkeiten in Betreff Guſtavs Kummer zu tröſten geſucht hatte, be⸗ ſchloß ſie, ungeachtet ſeines Verbotes, ihm nachzufolgen. Geſchwind rief ſie der Wärterin, das Kind zu nehmen, warf einen Mantel um, und ging hinab.
„Nahm der Baron den Weg nach dem neuen Baum⸗ gut?“ fragte ſie einen Knaben, der im Hofe ſtand.


