ſo wäre ich der Letzte, der Dir die Hand zur Verſöhnung reichte, was ich hier noch einmal aus redlichem Herzen und mit Beibehaltung der Achtung und Freundſchaft, die früher zwiſchen uns Statt gefunden hat, thue. Männer können gegenſeitige Schwachheiten vergeſſen und verzeihen, ohne deßhalb einander zu verachten.“
„Was Du da ſagſt,“ erwiederte Kornelli,„mag nun von Edelmuth oder Feigheit herrühren, die Sache bleibt dennoch dieſelbe. Wir haben einander beide tief beleidigt, und Blut muß fließen; keine andere Verſöhnung verſtehe ich oder möchte ich verſtehen. Und verweigerſt Du das, ſo erkläre ich Dich öffentlich für einen Feigling, der einen Andern zu den Füßen ſeines Weibes ſehen kann, ohne daß er den Schimpf mit Blut abzuwaſchen wagt. 4
„Genug, genug,“ ſagte Lindorm, und winkte unge⸗ duldig mit der Hand;„es ſei, wie Du verlangſt. Welche Stunde wählſt Du?“
„Fünf Uhr, auf dem Plan dort hinter dem Park.“ — Lindorm ging und ſchloß ſich in ſein Zimmer ein. Der Kampf, den er hier beſtand, war ſchauerlich. Der Gedanke, daß er um eine elende Laune, eine armſelige, des denkenden Mannes unwürdige Schwachheit zu be⸗ friedigen, ſeine und ſeiner Gattin Ruhe, ſein irdiſches Glück aufgeopfert hatte, vielleicht ſogar ſein oder Kor⸗ nelli's Leben, und ſie, die er mehr als Alles auf der Welt liebte, den Abgott ſeines Herzens; o, das war zu bitter, zu unausſprechlich qualvoll! Es ſaugte ſich in ſeinem Herzen feſt, und ließ ihn die ausgeſuchteſten Martern der Reue empfinden. Hart, mehr als doppelt büßte er in den zwei langen Stunden, die er eingeſchloſſen war, für die Selbſtſucht, mit der er ſein irdiſches Glück, ſeine Ruhe und ſein Leben in einem ſo gefährlichen Spiele ausgeſetzt hatte. Er ſchrieb einen Brief an Hermer, worin er ihm aufrichtig den ganzen Thatbeſtand mittheilte und ihn bat, ſchnell herüber zu kommen, um, wie auch der Ausgang ſein möchte, ihnen beizuſtehen. Aber damit
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