Teil eines Werkes 
4.-letzer Theil (1843)
Entstehung
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auf dem Wege iſt, ſich ganz gründlich in ſie zu verlieben;

das iſt zu närriſch!“—„Wollen wir nicht etwas leſen?“

fragte ich, da ich einſah, daß ſie die erſten Elemente in der Wiſſenſchaft zu erlernen hatte, die Liebe genannt wird, wie andre Anfänger mit dem A B C beginnen.

„O ja, das wäre ſehr angenehm,“ antwortete ſie, „wenn wir nur einige von Bertha's Büchern leſen dürf⸗ ten; denn die anderen darf ich ſo zur Genüge leſen, daß ich mich nicht nach ihnen ſehne.“

„Nun, es hindert uns ja Niemand, von denen eines auszuwählen, die auf dem Tiſchchen dort liegen,“ ſagte ich, wieder ganz guter Laune.

„Nein, nichts davon,“ erwiederte ſie mit einem ent⸗

zückenden Blick des Vorwurfs,„nichts mehr davon, denn

Bertha hat mir verboten, ſie zu leſen.“

„Nun; aber Sie ſind es ja nicht, die liest, ſondern ich?“ Bei dieſer Einwendung fühlte ich jedoch meine Wangen von einer Gluth übergoſſen, die ihren Urſprung von der Schlange, von Eva, dem Apfel und Paradieſe herzuleiten ſchien. Mit Selbſtzufriedenheit muß ich be⸗ kennen, daß ich, wenn es ſich gepaßt hätte, das Mädchen vor Wonne umarmt hätte, als ſie eine Minute lang ihr Köpſchen in die Hand ſtützte, dann aber raſch antwortete: „Nein, das geht nicht an, ich glaube, daß es daſſelbe bleibt, ob Sie oder ich leſen, da ich doch darauf höre. Wir dürfen Sie nicht leſen.“— Von dieſem Augenblicke an fühlte ich, daß ich Sie bald unausſprechlich lieben würde, da ſie es ſchon bei all' ihrer Unſchuld und Kind⸗ lichkeit verſtanden hatte, meine Achtung im höchſten Grade zu gewinnen. Das ſüße Mädchen! Noch ſtanden wir unſchlüſſig im Hofe.—„Aber,“ ſagte ich ſchnell,„wer⸗ den wir nicht einmal hineingehen? auf dieſe Art kommen wir zu Nichts.“

„Ja gewiß,“ verſetzte Louiſe lachend, und öffnete die Thüre zu demſelben Zimmer, wo wir uns zuletzt befun⸗ den hatten. Der Anblick des Pianos half mir ſchnell

Guſtav Lindorm. II. 3