——
——
ſeiner Stimme:„Ach, jetzt verſtehe ich! Wende ſchleu⸗ nigſt um, Lars, und fahre nach der Kirche!“
„Nicht mit mir,“ rief ich aus allen Kräften,„nicht mit mir! Ich will nicht zur Kirche!“— Aber Lars, der durch den unerwarteten Befehl in die ſchlimmſte Laune verſetzt war, fuhr mit einer Art Wuth die Allee hinab, und erſt als er herunter mußte, um das Gatter⸗ thor zu öffnen, konnte ich herausſpringen.—„Du Tauſendſaſa!“ rief ich mehr als gewöhnlich erhitzt, nahm die Peitſche, die Lars auf den Kutſchenbock ge⸗ legt hatte, und gab ihm einen Hieb über die Schul⸗ tern, worauf, glaube ich, die Wuth von Lars in meine eigene Seele, oder wenigſtens in meine Füße fuhr; denn wie ein Pfeil ſchoß ich durch die Allee und ſtand bald bei Louiſen, die zu meinem Schmerz über das kleine Luſtſpiel, das ich aufgeführt hatte, mehr ver⸗ wundert als ergötzt ſchien. Eine Weile lang ſtanden wir ganz ſtille neben einander.
„Nun, was werden wir jetzt anfangen?“ ſprach endlich mein Roſenknöſpchen, und begann verlegen im Hofe hin und her zu trippeln.
„Könnten wir nicht die Tauben füttern?“ ſagte ich, wobei ich mich gerade an einen Roman von Lafontaine erinnerte, wo das eine prächtige Einleitung zu einem der ſchönſten Auftritte war. Aber Louiſe hatte durch⸗ aus keinen Kunſtſinn, das war der Fehler. Sie ant⸗ wortete ganz ruhig:„Das können wir nicht; denn ſie haben ſchon bekommen, was ſie erhalten ſollen, und wie Sie wohl ſehen, ſind ſie eben ihres Wegs geflogen.“
Ich biß mich ein wenig auf die Lippen, ſprach jedoch in dem ſanfteſten Tone:„Wir könnten ja ſpazieren gehen.“
„Nein,“ ich danke,“ entgegnete Louiſe lachend; „ich gehe die ganze Woche über ſo viel ſpazieren, daß ich am Sonntag müde bin.“
„Mein Gott, welch' ein Kind!“ dachte ich;„noch hat ſie nicht den geringſten Begriff von einem Unterſchiede zwiſchen einer Promenade zu den Arbeitsleuten hin⸗ aus und der an der Seite eines jungen Mannes, der


