Teil eines Werkes 
4.-letzer Theil (1843)
Entstehung
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mich noch einmal in Gedanken Alles durchgehen. Wir fuhren wie gewöhnlich an der großen Treppe vor. Louiſe ſtand im Hofe und fütterte die Tauben. Sie hatte ein nettes, geſchmackvolles blaues Bombaſſinkleid und einen ſchwarzen Sammtſpencer an, auf welchem ſich die lange, in verſchiedenen Wendungen um den Hals hängende goldene Kette unläugbar ſehr gut aus⸗ nahm. Das Haar trug ſie in doppelten reichen Flech⸗ ten um das hübſche Köpfchen geſchlungen, und ein Kranz von friſchen Herbſtblumen ruhte auf der weißen Stirne. Diesmal ſah ſie nicht auf den Fußteppich nieder; aber es iſt wahr, es war auch kein ſolcher im Hofe. Gleichviel, ſie hätte auf das Gras nieder, in die Luft, auf die Tauben, auf Gott weiß was ſehen können, aber ſie ſah nur auf uns, und ich glaube faſt, nur auf mich; und ſo hüpfte ſie, leicht wie ein Vogel, zum Wagen hin, verneigte ſich ſehr anmuthig,— ob⸗ ſchon, beiläufig geſagt, das gewiß mit ein wenig mehr Grazie geſchehen wäre, wenn ich ihr Tanzmeiſter ge⸗ weſen wäre,— und ſagte mit ihrem unſchuldsvollen Lächeln:„Willkommen, meine Herren; Bertha iſt noch nicht von der Kirche zurück.“

„Ei, ſo ſpät!“ rief der Oberrichter, im höchſten Grade verdrießlich;„was mag die Urſache davon ſein?“

„Ach, das will ich Ihnen ſagen. Hier wohnt dicht nebenbei ein armer Kathenmann,*) der geſtern bei mei⸗ ner Schweſter war und ſich beklagte, daß er aus Man⸗ gel an Pferden und Leuten ſein Getreide nicht heim⸗ führen könne. Bertha iſt gar zu gut und hat dem Kathenmann erlaubt, zu dieſem Zwecke heute ihre eigenen Pferde zu nehmen, und iſt deßhalb zu Fuß zur Kirche gegangen.“

„Gott, welch' ein herrliches Weib!“ dachte Holk; ich will darauf ſchwören, daß er das dachte; und in dem⸗ ſelben Augenblicke, als Louiſe aufgehört hatte, zu ſprechen, rief er mit bewundernswürdig ſchnellem Wechſel im Ton

**) Frohnbauer.