Teil eines Werkes 
4.-letzer Theil (1843)
Entstehung
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zulegen; aber ich werde es nie vergeſſen, daß ich ohne Ihre Dazwiſchenkunft wahrſcheinlich bald von jener Gemüthskrankheit ergriffen worden wäre, woran mein armer Vater litt, und wovon ich jetzt hoffen kann, bald hergeſtellt zu ſein. Die Erinnerung an Konſtanze, die mir ſo theuer war, wird jedoch immer einen leeren Raum in meinem Herzen laſſen. Ich liebte ſie, wie eine theure Schweſter, eine treue Freundin. Sie war ein Engel auf Erden, Waldenberg.“

„Glich ſie dem Fräulein von Werdenberg?“ fragte der Verwalter ſcheu und ſein Blick belebte ſich bei dem Gedanken an ſie, die für ihn das Ideal alles Edlen und Herrlichen war.

„Ja und nein!“ erwiederte Lindorm;„beide waren gewiß mit den Weſen verwandt, die wir Engel nennen; aber Konſtanze, die einſame, ſchöne und anſpruchloſe Lilie blenzete nicht, wie die üppige Roſe. Ihre vor⸗ nehmſte Zierde war die unansſprechliche Güte ihres Herzens, die aus dem reinen und ſanften Blick ihrer Augen uns entgegenſtrahlte. Ich möchte wünſchen, daß Georginens Seele Konſtanzen gliche. Herzensgüte iſt, meiner Anſicht nach, die ſchönſte Eigenſchaft des Weibes; alle übrigen verſchwinden, wo dies Eine ſehlt.“

„Ach, ſie iſt ſo gut; zweifeln Sie nicht daran!“ ſagte Waldenberg im überzeugendſten Tone.„Aber mit einem lebhaften Sinne vereinigt ſie jenen leichten und angenehmen Geſellſchaftston, der ihre Schönheit dop⸗ pelt liebenswürdig erſcheinen läßt, und die Reinheit ihres Herzens verliert dabei nichts von ihrem Glanze. Darüber kann ich am beſten urtheilen, da ich zwei Jahre lang Gelegenheit hatte, dieſe Beobachtungen zu machen. Wie oftmals habe ich ihr begegnet, als ſie einſam, und wie ſie glaubte, ungeſehen zu den Hütten der Armuth ſchlich, nicht um dem erſten beſten Bedürf⸗ tigen ein Almoſen zuzuwerfen, ſondern um mit einer, an einem jungen und lebensfrohen Weſen, weit edleren Selbſtverläugnung, Troſt und Labung dem leidenden Herzen zu bringen, das von Kummer und Verzweiflung

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