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„Doch ich weiß nicht,“ wandte Waldenberg ein, „ob der Herr Baron im Stande ſind, Alles heute Abend anzuhören.“
„O fürchten Sie nichts,“ fiel ihm Lindorm in's Wort, als er die mißbilligenden Mienen des Pfarrers und Hermer'’s ſah.„Ein klarer Blick in dieſe chaoti⸗ ſchen Finſterniſſe wird mir mehr Nutzen bringen, als alle Medicamente; und da ich während dieſer Mitthei⸗ lung mit meinem Verwalter allein zu ſein wünſche, ſo ſorgen Sie, Herr Pfarrer, wie ich hoffe, als ein guter Wirth für meinen Freund Hermer.— Es lag etwas Beſtimmtes in dem Tone, deſſen ſich der Baron bediente, und mit einer leichten Verbeugung verſchwand der Pa⸗ ſtor mit Hermern.
„Nun, mein guter Waldenberg, ſetzen Sie ſich zu mir her,“ fing Guſtav wieder an,„und verhehlen Sie mir nichts, darum bitte ich Sie.“
Waldenberg kam ſeinem Wunſche nach und be⸗ richtete genau alle die Umſtände über Müller's und Konſtanzens Liebe, die wir bereits kennen; und wie er ſo ſprach, ging in den duuklen, verworrenen Vorſtel⸗ lungen des Barons ein helles Licht auf. Die Erinne⸗ rung erwachte in ihm, und mancher Zug im Gemüthe ſeines Oheims, den er vorher nicht begriffen hatte, ward ihm jetzt klar; aber als Waldenberg zu dem empörenden Momente kam, wo der Oberjägermeiſter den beklagens⸗ werthen Müller auf eine ſo abſcheuliche Art zwang, mit eigener Hand ſein und Konſtanzens Todesurtheil zu unter⸗ ſchreiben, da wurde der Ausdruck in Lindorms Zügen ein ſchrecklicher.—„Der ſchändliche Bube!“ ſtammelte er, und ſeine Augen ſprühten Feuer und Flammen,„das konnte er thun! Ewiger Gott! er war doch Vater! Rührte ſich da kein menſchliches Gefühl in ſeiner Bruſt, als der ge⸗ quälte Jüngling zu ſeinen Füßen um Erbarmen flehte! O Müller, mein Herz möchte brechen, wenn ich mir vorſtelle, was Du litteſt! Und das Ungethüm konnte kaltblütig drei Menſchen wegwerfen, wie man Spreu in Guſtav Lindorm. II. 2


