Teil eines Werkes 
4.-letzer Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

——V——Y—Y—Y—X— n——

—

16

„O ich weiß viel, ſehr viel davon,“ entgegnete Wal⸗ denberg,„und habe es lange her gewußt; und lange Zeit, Herr Baron,“— hier ließ er wieder ſeine Stimme ſinken, ſo daß die Worte kaum hörbar für Lindorm waren,— „lange Zeit habe ich Ihre Unruhe getheilt und mit Ihnen gelitten; ich habe auch mit Müllern gelitten, der mein vertrauteſter Jugendfreund war. Ich muß Ihnen ent⸗ decken, daß Müllers vermutheter Tod im Ljusneelf nur eine abſcheuliche Lüge war, die der Oberjägermeiſter aus⸗ breitete, um die Abſicht zu erreichen, die er endlich auch wirklich erreichte. Er betrog Sie und Fräulein Konſtanze. Vielleicht,“ ſetzte Waldenberg hinzu, als er die heftige Bewegung gewahrte, die ſich auf dem Antlitz des Ba⸗ rons zeigte,„hätte ich dies Geheimniß nicht ſo ſchnell enthüllen ſollen; aber ich wagte zu glauben, daß eine Aufflärung über das Dunkel und die Zweifel, in denen Sie gelebt haben, eine glücklichere Wirkung auf Ihren Geſundheitszuſtand und Ihren Seelenfrieden hervor⸗ bringen würde, als alle Bemühungen der Kunſt.“

„Was, im Namen Gottes, ſagen Sie da, Walden⸗ berg?“ rief Baron Guſtav aus und ſtarrte verwundert auf ſeinen Verwalter. Er hatte von dieſer Rede nicht mehr gehört, als was Müller und den Oberjägermeiſter anging.„Eine Lüge, ſagen Sie? Ha, wäre das möglich! Er lebte und wir hätten Alle glücklich werden können! Nein, nein, es iſt ein Blendwerk. Mein Oheim konnte. kein ſo abſcheulicher und verächtlicher Menſch ſein, daß er mich und ſein frommes, holdes Kind aufopferte, um einen elenden Stolz, eine leere Eitelkeit zu befriedigen? Und dann Müller, wie ſollte er ihn haben dazu bringen können, daß er in einen ſo niederträchtigen Plan ein⸗ ging? Es geht in meinem armen Kopfe rund herum! Setzen Sie ſich hier zu mir her, Waldenberg, und er⸗ zählen Sie mir Alles, von Anfang bis zu Ende. Ich habe lange vergebens in dieſem Dunkel umherge⸗ griffen, lang um einen Strahl gebeten, der mir den Weg zeigen ſollte. Gott ſelbſt hat in ſeiner Gnade Sie hierher geſandt.“

—