Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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war nie zur Bitterkeit des Lebens erwacht; es ſchlummerte in einem ſchöneren Traume, als die Einbildungskraft her⸗ vorzaubern kann. Die treue, tiefbetrübte Hedda ſaß am Fuße des Bettes und weinte, während ihre Augen unab⸗ läſſig auf ihre Gebieterin gerichtet waren. Ein junges Weib, das zur Amme beſtimmt geweſen war, ſaß einge⸗ ſchlafen am Ofen. Als ſie anlangte, war ihre Hülfe ſchon nicht mehr nöthig; aber ſie war zurückgeblieben, um zu wachen.

Acht Stunden waren ſeit dem ſchweren Kampfe ver⸗ floſſen; nur einmal hatte Konſtanze geſprochen und ihr Kind zu ſehen begehrt. Hedda, welche die ſchwache Mutter leicht hintergehen und ihr einreden zu können wähnte, daß das Kind ſchlafe, trug es ihr hin, da ſie es für gefähr⸗ licher hielt, ihr ihr Begehren abzuſchlagen. Konſtanze wollte es nehmen; aber Hedda ſagte ausweichend:„Wecken Sie es nicht, gnädige Frau; das Kleine ſchläft ſo ſüß.“

„Ja; aber es iſt ſo kalt,“ verſetzte Konſtanze ver⸗ wundert, und ſtrich ihm mit der Hand über das Geſicht. „Lege mir das Kind in den Arm; ich will es wärmen, Hedda.“

„Das geht durchaus nicht an, gnädige Frau,“ er⸗ wiederte dieſe voll Angſt;„ich glaube, es liegt beſſer auf dem Bettchen, das ich ihm zugerichtet habe.“

„Ach, laß es mich nehmen!“

Inzwiſchen hatte Konſtanze, in der ein Argwohn über das wahre Verhältniß aufgeſtiegen war, ihr Ohr an die Lippen des Kindes gelegt.—„Hedda,“ ſchrie ſie in einem herzzerreißenden Tone,„Du haſt gelogen; es ſchläft nicht; es iſt— todt,“ und in dem bittern Ausruf:„es ſchläft nicht, es iſt todt,“ lag alle Qual verſchloſſen, die ein brechendes Mutterherz nur fühlen kann. Ihre Arme ließen das Kind fahren, ihr Haupt ſank nieder, und ein Paar große, ein⸗ ſame Thräͤnen rollten langſam auf dieblaſſen Wangen nieder.

Hedda trug das Kleine weg, fiel auf die Kniee und bat in unendlicher Angſt um Verzeihung für ihre Unvor⸗ ſichtigkeit.„Ich Unglückliche,“ ſchluchzte ſie,„wußte ja nicht, was ich thun ſollte.“

„Sei ruhig, Hedda,“ liſpelte Konſtanze leiſe;„ich bin zufrieden; es iſt ſo gut, wie es iſt. Der Herr hat