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Konſtanzen zu bitten, daß ſie den Trank theilen ſollte, den er einzunehmen gedachte. Feſt drückte er das in das Pa⸗ pier eingeſchloſſene Gift in ſeiner Hand, und ein Gefühl, zu gräßlich, um Freude genannt zu werden, aber auch zu angenehm, um Schmerz zu heißen, durchbebte ihn, als ſeine Gedanken bei der Möglichkeit verweilten, daß ſie gerne den Becher theilen würde, der die Gewißheit einer ewigen Wiedervereinigung enthielt.
Es war ein kalter und trüber Abend um die Mitte Oktobers. Ein furchtbarer Sturm hatte ſich beim Be⸗ ginne der Nacht erhoben und fuhr pfeifend durch die öde Landſchaft. Bald ſah man häufige Blitze die dunklen Wolken durchkreuzen, und der Donner übertönte zuweilen das wilde Geheul des Sturmes. Es gibt gewiß noch viele, die ſich der ſchrecklichen Gewitter erinnern, die im Herbſte 1818 wütheten und ſo manchen alten und gewaltigen Baum ſo gut wie den zärtern Schößling zerſplitterten. Ein heftiger Platzregen vermehrte diesmal die Schrecken der Nacht; aber der ſtille Wanderer ſtand gefühllos für Alles, ſtumm und bleich, wie ein Steinbild da. Der ſcharfe Wind fuhr eiſig durch ſeine Glieder, und ſeine Kleider und Haare troffen von Waſſer. Er wußte es nicht, er fühlte es nicht; ſein Blick ſtierte nur immer wilder nach der Feldwebelswohnung, wo bald nur noch ein einziges Licht von dem Zimmer herleuchtete, von dem Müller nur zu wohl fühlte, was es einſchloß.
Leſer! wir wollen einen Blick in dies Kämmerlein werfen. Alles war dort in tiefes Schweigen verſenkt. Ein hohes, weißes Paradebett ſtand aufgedeckt; dort lag Kon⸗ ſtanze bis zum Geſichte mit weißen Tüchern bedeckt, deren Farbe man kaum von jenem unterſcheiden konnte. Ihre reichen, ſchwarzen Locken wogten von beiden Seiten herab, wie ein Rahmen, in welchem das unendlich ſchöne, bleiche Bild eingefaßt war. Die Augen waren geſchloſſen, aber ſie athmete leiſe, ſie lebte; doch war es offenbar, daß das Oel der flackernden Lampe bald vollends ausgebrannt war. Auf einem kleinen zur Bettſeite ſtehenden Tiſche lag auf weißen Kiſſen Konſtanzens todtgeborenes Kind. Das Kleine


