Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

224

nicht wegen meiner, beſte Konſtanze,“ ſagte der Baron mit dem ſüßen, überredenden Ton ſeiner Stimme, der ſo unwiderſtehlich iſt.„Kann ich wohl Grund haben zu klagen, wenn Du meine holde Lebensgefährtin wirſt?“ —„O denke nicht daran,“ unterbrach ihn die Arme unmuthig;„ſprich nicht davon, Guſtav! Wiſſe, daß es ganz unmöglich iſt!“— Ich hörte, wie ſie nieder⸗ ſiel und zu ſeinen Füßen ſchluchzte.„Guſtav, Guſtav,“ tönte die wimmernde Stimme, und ſchüttelte mich wie Todespein durch Mark und Bein,„o Guſtav, mein Weſen iſt nicht ein einziges; es iſt ein— doppeltes.“— Jetzt hörte ich, wie er ſie aufhob und zu dem Sopha hintrug, der gerade vor dem Platze ſtand, den ich inne hatte. Ich hörte, wie ſich ſein Schluchzen mit dem ihrigen miſchte, aber keines von Beiden ſprach, und auch ich fühlte mich in Thränen und Schmerz aufgelöst. Ich alter Mann, der das theure Kind hatte aufwachſen, blühen und welken ſehen, wie gräulich litt ich nicht mit ihr, mit ihnen beiden! Endlich ſchien es drinnen etwas ruhiger zu werden.—„Meine Konſtanze,“ ſagte die ſchöne klare Stimme des Barons,„baue auf meine Ehre. Es iſt jetzt doppelt nothwendig, daß der Wunſch Deines Vaters in Erfüllung geht; es wird nur eine leere Ceremonie ſein, darauf berechnet, Dich vor den giftigen Pfeilen zu ſchützen, welche die Welt gegen Dein ſchuldloſes Herz ſchleudern würde. Nie, meine Kon⸗ ſtanze, ſollſt Du etwas Anderes für mich ſein, als meine holde, geliebte Schweſter, und die ganze Aende⸗ rung wird in einem andern Namen beſtehen. Du heißt Baronin, anſtatt Fräulein von Lindorm; nichts wei⸗ ter.—„Thue, was Du willſt, edler, allzu groß⸗ müthiger Guſtav,“ ſeufzte ſie;„ich habe keinen Gedan⸗ ken mehr.“ Und ſo reiste er denn noch denſelben Abend zu dem Pfarrhofe; am Sonntage wurden ſie dreimal aufgeboten, und Montag früh am Bette des Oberjäger⸗ meiſters getraut.“

Hier ließ Hermer den Brief aus der Hand fallen,