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und ſah Waldenberg beſtürzt an.„Was,“ rief er aus, „ſie wurden getraut? Iſt Guſtav verheirathet? Wurde denn etwas daraus? Davon haben wir nie ein Wort gehört. Himmliſcher Vater, ich bin über dieſe Entſetzlichkeiten ganz verwirrt! Aber, um Gotteswillen, ſprechen Sie, Walden⸗ berg; warum hater das verſchwiegen, und wo iſt er wirklich?“
„Alles das,“ erwiederte Waldenberg,„wird durch den zweiten Theil des Briefes aufgehellt. Was dann noch fehlt, um dieſe ganze ſchreckliche Geſchichte zu be⸗ greifen, werde ich ausfüllen.“
Hermer hob den Brief wieder auf, trant ein Glas Waſſer, fuhr mit dem Tuche über die Stirne, und begann die Fortſetzung, die etwas ſpäter geſchrieben war.
Fünfundzwanzigſtes Kapitel. „So waren ſie alſo vermählt. Müller, armer junger Freund! ich weiß nicht, ob ich Ihnen die Beſchreibung ſchicken ſoll, die ich vor einigen Wochen hier oben auf⸗ gezeichnet habe, da ſie nur die Wunde Ihres Herzens von Neuem aufreißen würde. Aber ob ſie nun in Ihre Hände kommen wird oder nicht, ich ſehe es als der einzige Zeuge, für meine Pflicht an, das Gedächtniß an jene Begebenheiten aufzubewahren.
„Als der Geiſtliche die Trauung, Einſegnung u. ſ. w. verrichtet hatte, zog er ſich zurück; aber noch lag die Braut, oder vielmehr das Opfer, in ihrem weißen Schmucke, die Myrthenkrone in den ſchwarzen, flatternden Locken, unbe⸗ weglich auf den Knieen, den Kopf gegen die Kante des Bettes gelehnt. Der Bräutigam ſchien nur um ein Ge⸗ ringes mehr bai Beſinnung zu ſein. Endlich erhob er ſich und verſuchte ſeiner Braut aufzuhelfen. Das Ausſehen des jungen Barons war ſo ſchrecklich, daß ich Gott bat, mich nie wieder einen ſolchen Anblick ſehen zu laſſen.— „Gute Konſtanze,“ ſagte er leiſe und erhob ſanft ihr ſchönes Haupt aus ſeiner gebückten Lage; aber beſtürzt fuhr er zurück und ſchrie mit durchdringender Stimme:„Sie iſt todt! unſere elende Weltklugheit hat ihr Herz zerſchmettert!“
Guſtav Lindorm. I. 4583


