holen, dann iſt er willkommen.“— Sobald ich die Ant⸗ wort überbracht und den Befehl wegen des Pferdes ge⸗ geben hatte, ſtellte ich mich in den ſchmalen Korridor, der zu dem Zimmer des Fräuleins führt, und welcher Weg jetzt nie mehr benützt wird, weßhalb ich in Sicher⸗ heit Alles anhören konnte, was vorfiel; und war das eine Sünde, ſo mag ſie mir Gott um der Liebe willen verzeihen, die ich zu dem armen Kinde trage. Ich mußte nothwendig wiſſen, wie ſich der Baron in dieſer kitzlichen Sache benahm. Bald hörte ich Baron Guſtav die
Thüre öffnen, und jetzt ſtrengte ich meine alten Ohren
an, darauf können Sie ſich verlaſſen, Herr Müller.— „Verzeihe, liebe Konſtanze, daß ich Dich noch ſo ſpät ſtöre,“ ſagte er in einem Tone, der ruhig ſein ſollte, aber der dennoch merklich zitterte. Das Fräulein blieb ſtille und er fuhr fort:„Ich hätte innig gewünſcht, daß die Zeit mir die nöthige Vorbereitung auf das, was ich Dir zu ſagen habe, gegönnt hätte; aber leider iſt ſie ſo kurz. Erlaube mir deßhalb, Dir ohne Umſchweife mitzu⸗ theilen, daß Dein Vater mir Alles anvertraut und den Wunſch ausgeſprochen hat, daß unſer Geſchick je bälder, deſto beſſer durch das Band der Ehe verbunden werden möchte, damit er es vor ſeinem Hingang vollendet ſehen könnte.“—„Unſer Geſchick,“ rief ſie entſetzt aus.„O Gott, wie kann mein Vater einen ſolchen Vorſchlag machen! Und Du, Guſtav, ich ſollte Dein Weib ſein! Nie!“— aber meine gute, arme Konſtanze,“ entgegnete der Baron gerührt,„die Bitten Deines Vaters, ſeine Angſt, ſeine Qual, wir können ſie nicht anſehen, ohne ihn auf die einzig mögliche Art zu beruhigen; und Du, Konſtanze, kannſt nicht unglücklicher werden, als Dn ſchon biſt.“—„Vielleicht nicht,“ ſeufzte ſi;„denn ich glaube nicht, daß ein menſchliches Herz mehr leiden kann, als das meine. Aber Du, mein edelmüthiger Freund, Du würdeſt grenzenlos unglücklich werden und unrettbar an dies entſetzliche Elend gebunden ſein. Nein, es darf, es kann nicht geſchehen!“—„Beunruhige Dich
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