Teil eines Werkes 
1.-3.Theil (1843)
Entstehung
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jetzt Dein alter, unglücklicher, tief gebeugter Onkel die Rettung ſeiner Ehre vergeblich von Dir betteln?“

Er ſchwieg erſchöpft. Der junge Baron ſtand ſprachlos vor Beſtürzung; ſein Antlitz war todesbleich geworden, ſeine Lippen zitterten. Nach einem minutenlangen fürch⸗ terlichen Schweigen ſprach er langſam:„Wer iſt es denn, der unſere ſchöne Roſe entblättert hat? Warum kommt nicht er, um ihre Ehre zu retten?“—„Guſtav,“ er⸗ wiederte der Oberjägermeiſter,„es war der junge Müller, von dem ich Dir oft ſchrieb. Es war ein liebenswür⸗ diger und einnehmender junger Mann, dieſe Gerechtig⸗ keit muß ich ihm laſſen, und meine Freundſchaft, ich gebe es zu, berechtigte ihn, die thörichteſten Hoffnungen zu nähren. Aber ich war zu dieſer unglücklichen Zeit mit Blindheit geſchlagen, und deßhalb klage ich nicht ſie, ſondern mich ſelbſt an. Da Müller nicht von Adel war, ſchlug ich ihm beſtimmt die Hand meiner Tochter ab, und der verzweifelnde junge Mann endigte in einem An⸗ fall von Wahnſinn ſein Leben im Ljusneelf. Einige ver⸗ wirrte Zeilen an Konſtanze benachrichtigten uns von dem entſetzlichen Unglück, und am folgenden Tage fanden, aus⸗ geſandte Leute ſeinen Hut und ein ſeidenes Taſchentuch auf dem Strome ſchwimmen. Den Leichnam konnten wir aller Bemühungen ungeachtet nicht auffinden.“

Bei dieſer Erzählung brannte der Boden buchſtäblich unter mir; ich hatte es nie für möglich gehalten, daß ein Menſch, um eines elenden Vorurtheils willen, ſeine letzte Fahrt mit einer Lüge auf den Lippen antreten würde. Es war gräßlich; und hätte er nicht in jener ſchrecklichen Nacht durch Drohungen und Bitten mir einen ſchauerlichen Eid abgezwungen, ſo wäre ich hineingeſtürzt und hätte ihm mit Donnerſtimme in's Ohr gerufen:„Du lügſt, alter Sünder!“— Aber jetzt ſtand ich da und bebte vor Angſt, als ich ſah, wie Baron Guſtav's Züge ſchnell zwiſchen Abſcheu, Mitleid und Entſetzen wechſelten.—„Sie waren hart, mein Oheim,“ ſagte er endlich;„Sie müſſen ſehr hart geweſen ſein, bis ein wahnſinniger Schmerz den jun⸗